Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 9 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ilire Wmech. HB Mn Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. ■ Ur. 9. 45. Jahrgang. Inhalt: Lin Brief einer bekehrten Jüdin an ihre christliche Freundin. — Der ©Ibcium in Palästina.— Kleine jüdische Chronik. Ein Hrief einer bekehrten Jüdin an ihre christliche Freundin. Du bittest mich. Dir eine kurze Schilderung meiner Bekehrung zukommen zu lassen, und obgleich es notwendig sein wird, in meiner Erzählung auch solcher Dinge zu gedenken, die peinlich und voll schmerzlicher Erinnerungen für mich sind, so greife ich doch zur Leder, im Einblick auf den hochgelobten Meister, dem ich angehöre und dem ich diene. In Demut bitte ich ihn, mir Gnade und Kraft zu verleihen, die Ereignisse wahrheitsgetreu niederzuschreiben, die sich seit einigen Jahren bis zum gegenwärtigen Augenblick zugetragen haben. Vox ungefähr neun fahren landete ich in Australien in der Absicht, Hierselbst kurze Zeit bei meinen Bekannten zu verweilen. In meiner Heimat hatte ich manche Bitterkeit durchkosten, viele trübe Stunden erleben müssen, so daß meine Eltern glaubten, durch den .Wechsel der Umgebung die trüben Bilder aus meinem Gemüt verscheuchen und mir ein fröhliches, heiteres Wesen wiedergeben zu können. Ehe ich fortfahre, muß ich einschalten, daß meine Eltern Juden waren, die strenge in den Sitten und Satzungen ihrer Väter wandelten. Wie es wohl naturgemäß ist, wurde ich als ihr Rind in ihrem Glauben erzogen. Nie werde ich die ergreifenden Gebete meines Vaters vergessen, in denen er mich während der letzten Stunde, die ich unter seinem Dache . zubrachte, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, empfahl, ihn bittend, es möge der Engel, der sie behütete, auch mich in seinen Schutz nehmen. Jenes Gebet wurde erhört. Ach, wie viele Gebete sende ich.nun für ihr Seelenheil zu .Gott empor! Ja, der' Israel zerstreuet, wird es wieder sammeln. Verbinde Dich mit mir, herzliebe Schwester, daß meine Eltern gleich wie ich hinaus geführt werden durch Nacht zum Licht! Es war an einem Sonntagabend, als wir in Australien ans Land traten. An dem Grt meiner Bestimmung angekommen, fand ich eine fröhliche Gesellschaft beisammen, so daß ich mich in meiner lustigen Umgebung bald heimisch fühlte. Ein ganzes Jahr hindurch genoß ich alle Lustbarkeiten, die Melbourne zu bieten vermag. Bälle, Theater, Konzerte wurden fleißig besucht. Kurz, jede Art von Vergnügen habe ich mitgemacht. Um diese Zeit lernte ich einen liebenswürdigen jungen Mann kennen, und da wir uns je länger je mehr zu einander hingezogen fühlten, kam ein inniges Verhältnis zustande. Den Gedanken