Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 3 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554956-2554960--08806-2564862- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
25 Rede lag 3. Mose \6, 29—34 zu Grunde. Nachdem er die Vergangenheit des Iom-Kippurs geschildert hatte, beleuchtete er die Gegenwart und die Zukunft dieses höchsten Festtages der Juden. Mit Bezug auf den letzteren Punkt. wurde nachgewiesen, daß die Hoffnungslehre des Neuen Testaments eine gründliche Reform des gesamten Judentums in Aussicht stellt, mithin auch eine Umgestaltung des Versöhnungstages in christlichen! Sinne zu erwarten ist. Die zweite Ansprache hielt Diakonus Tonrad von der Elisabetkirche über 2. Kor. 5, \7—2\. Mit dem Apostel richtete der Redner die herzliche Bitte an die Anwesenden: „Lasset euch versöhnen mit Gott!" vor dieser Ansprache wurde gesungen: „Wir sollen nicht verloren werden: Gott will, uns soll geholfen sein. Deswegen kam der Sohn auf Erden Und nahm hernach den Fimmel ein. Deswegen klopft er für und für So stark all unf're Herzensthür." Nach derselben stimmte die Versammlung an: „CD Abgrund, welcher alle Sünden In Thristi Tod verschlungen hat! Das heißt die Munde recht verbinden. Da findet kein verdammen statt, Meil Thristi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit!" Nach dem Schlußgebet, welches Prediger Mosel von der Brüdergemeinde hielt, sang man: „In unsers Königs Namen Betreten wir die Bahn, Ihr, ihr von feinem Samen, O schließt euch freudig an! Mir ziehn zum Friedenslande, Ein Leib, Ein Herz, Ein Geist. Mohl dem, der alle Bande Voll Heldenmut zerreißt!" Beim Ausgang wurde jedem Besucher des Gottesdienstes ein Exemplar des „Gebetbüchleins für Freunde Israels" überreicht und damit eine Anregung gegeben, die am Jom-Kippur hergestellte Gebetsgemeinschaft aufrecht zu erhalten. Soll es doch nicht nur einmal im Jahr, sondern allezeit von uns gelten, was Paulus (Räm. \o, 0 von sich sagt: „Ich flehe zu Gott für Israel, daß sie selig werden." — Eine andere außerordentliche Zusanrmenkunft war das Missionsfest, welches wir am J5. August im Garten der Villa Zedlitz feierten. Dies Fest, das erste der Missionsgemeinde, begann, vom herrlichsten Wetter begünstigt, um 31/* Uhr nachmittags mit dem Gesang: „HErr Jesu Thrist, dich zu uns wend!" und einer Ansprache, in welcher der Leiter der Versammlung die Anwesenden begrüßte und sich dann besonders über die Aufgabe und den Erfolg der Iudenmission verbreitete. Nachdem hierauf der Vers: „Ach, daß die Hilf aus Zion käme!" gesungen war, betrat Dr. Greene, Missionar einer amerikanischen Missionsgesellschaft und Professor an einer von ihr errichteten Lehranstalt in Japan, die Rednertribüne, um zunächst einen Überblick über die Geschichte dieses merkwürdigen Inselreiches zu geben. Inr zweiten Teil seines Vortrages, der verdolmetscht werden mußte, zeigte er an zwei ergreifenden Beispielen, wie das Evangelium von Thristo auch in Japan mehr und mehr Eingang findet. Zwischen beiden Teilen der Rede lag eine längere Pause und eine Ansprache des Landesbauinspektors und Hauptmanns Sutter, welcher in seinem Bericht über das evangelische Hospiz in Iohannisbad ein Bild aus der Inneren Mission zeichnete. Da Pastor Spieß auf das Mort verzichtete, machte der erste Redner den Schluß mit einer Erzählung aus der Mission unter den Muhammedanern und einem Gebet, passende Verse umrahmten die einzelnen Ansprachen!. Zuletzt sang man: „Die wir uns allhier beisammen finden, Schlagen unsre Hände ein, Aus auf Deine Marter zu verbinden, Dir auf ewig treu zu sein" u. s. w. viele Festgäste nahmen dann noch au dem Nachtisch teil, bei dem ein Brief aus Jerusalem und zwei Gedichte vorgelesen wurden. Auch bei dieser Versammlung waren einige Israeliten anwesend. — Noch in ehr Anziehungskraft schienen nach jüdischer Seite hin die neu eingerichteten religionsgeschichtlichen Vorträge zu besitzen. In dem auch für diesen Zweck gütigst eingerämnten Saal der Brüdergemeinde wurden in den Wochen zwischen Gstern und Pfingsten 3, während des Monats November 4 solche Vorträge gehalten. Die erste Reihe behandelte: die Religion Buddhas, die Religion Israels zur Zeit Thristi, den ersten christlichen Kaiser, Bilder aus der kirchlichen Vergangenheit Breslaus und das Anti-Lutherdenkmal zu kanten am- Rhein, die zweite: die Klassiker der Israeliten (die Schriftsteller des Alten Testamentes). Für verschiedene Wohlthätigkeitszwecke, u. a. für die Überschwemmten, gingen aus diesem Anlaß im ganzen Mk. 3\7,50 ein. 0ft hatte der Missionar auch in Missions- und andern Vereinen zu reden. — In der Sonn tagsschu le befanden sich im letzten Jahr nur ein proselytenkuabe und der Sohn einer Proselytin. Die beiden jüdischen