Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 12 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Thränen rannen ihr voll die Wangen herab; sie dankte mir herzbewcglich. Dann zog sie ein Neues Testament aus der Tasche und bat, ich möchte ihr nur den Spruch aufzeichnen, den ich ihr gesagt. Ich schrieb ihn schnell ein. — Der zweite Vers des Abendmahlsliedes hatte schon begonnen, ich mußte zum Altar. „Lesen Sie weiter und beten Sie weiter! Friede über Israel!" Mehr konnte ich ihr nicht sagen. Ich war, sonst immer gestört, wunderbarerweise ganz allein gewesen diese wenigen Minuten: hier kam niemand. Ob diese Tochter Israels nicht auch eine Konfirmandin war, reifer vielleicht als manches Kind, das ich eingesegnet? — J<h weiß nicht, wer sie war, habe sie auch nicht wiedergesehen. Aber diese Minuten waren ein Segen für mich — vielleicht auch, so hoffe ich, für das „eingesegnete Kind aus Israel." Emil Fromme! („Christoterpe" für 1889, S. 299 f.) Joseph Kabinowitsch ist in den letzten Monaten durch viele Anfechtungen hindurchgegangen. Jemand Nannte sein Werk ein zusammengebrochenes Kartenhaus. Nach glaubwürdigen Nachrichten gleicht es vielmehr einer befestigten Stadt, die, auf einem Berge liegend, weithin gesehen wird. Der in Kischinew an jedem Sabbat stattfindende öffentliche Gottesdienst wird von Hunderten besucht. Auch zu der Bibelstunde, die Rabinowitsch im letzten Winter wöchentlich einmal in seinem Hause abhielt und in welcher er das Neue Testament erklärte, stellten sich zahlreiche jüdische Männer und Frauen ein. Die Zahl der Wahrheitsuchenden nimmt sowohl in Kischinew als an andern Orten zu. Hierzu trägt der ausgedehnte Briefwechsel mit Israeliten bei, den Rabinowitsch unterhält. Von seinen gedruckten Predigten urteilt Missionar Faber, daß sie die Künde vom Evangelium in weitere Kreise gebracht haben, als es den Missionsbemühungen aller Gesellschaften in vielen Jahren möglich gewesen ist, Dem reformierten Pastor Venetianer in Rohrbach, einem Dorf bei Odessa, ist von der russischen Regierung bedeutet worden, daß es ihm nicht gestattet sei, Anhänger von Rabinowitsch zu taufen. Das Gesetz des Landes verlangt, daß die Aufnahme eines Israeliten in die christliche Kirche nur in größeren Städten, nicht auf dem Lande erfolgen dürfe. Durch sein Zeugnis im Verkehr mit Juden greift gerade jener Geistliche in die Kischinewer Bewegung kräftig ein.