Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 11 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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mäßig an Gottesdienst und Unterricht teil. Wie in dem zuerst angeführten Fall der Vater, so bereitete in diesem die Ehefrau dem Taufbewerber ein Hindernis. Wer will einem solchen Vorwürfe machen, wenn es ihm schwer wird, dem Wort Matth. 10, 37 zu gehorchen? — In Konstantinopel befand sich unter sieben Täuflingen eine Jüdin aus Abessinien. Sie war in Jemen an einen Or. V. als Sklavin verkauft worden und hatte demselben auch nach ihrer Freilassung in herzlicher Dankbarkeit für empfangene Wohlthaten treu gedient. Missionar Cr. Ginsburg, der sie unterrichtete und taufte, bezeichnet sie als ein würdiges Mitglied der christlichen Kirche. Der Herr verhelfe ihr und den übrigen Getauften des letzten Jahres dazu, sich allezeit als echte Proselyten zu erweisen! Vor zwei Jahren veranlaßte ein Judenchrist in Siebenbürgen die an seinem Wohnort ansässigen Kaufleute einen Verein zu bilden, dessen Mitglieder sich verpflichteten, ein Jahrlang am Sonntag ihr? Geschäfte zu schließen. Nach Ablauf des Jahres beschloß man, diese Einrichtung fortdauern zu lassen, da man ihre heilsame Wirkung hatte schätzen lernen. Möchten alle Proselyten in solcher und ähnlicher Weise ihrer Umgebung zum Segen gereichen! 5) Hemmungen der Missionsarbeit. In der Nähe von Bethlehem befindet sich das vorhin schon erwähnte Grab der Rahel, ein jüdischer Wallfahrtsort. Bei einem Besuch desselben gab ein Missionar einem der anwesenden Israeliten einen Traktat. Da nahm ihn eine alte polnische Jüdin dem Empfänger aus den Händen und riß ihn in Stücke, wobei sie jenen dafür schalt, daß er etwas, was von einem Missionar kam, beachtet und angenommen habe. Der Lärm zog zahlreiche Juden heran, die nun eine eingehende Unterredung mit dem Missionar begannen und gerne Neue Testamente und andere Schriften annahmen. So mag oft der irrende Glaubenseifer den entgegengesetzten Erfolg haben. — Leider gehen Hemmungen der Missionsarbeit manchmal auch von Christen aus. Verweist ein Jude auf die Lieblosigkeit so vieler unter den letzteren, so kann man ihm mit Missionar Mamlock antworten: „Ein solches Benehmen stimmt mit dem Geist des Neuen Testamentes so wenig überein, wie die rabbinischen Lehren mit der Wahrheit des Alten Testamentes." — Ein Missionszögling aus Rumänien wurde in London von Jesuiten umgarnt. Nachdem diese ihn getauft hatten, sandten sie ihn in ein Kloster. Auf der Reise dorthin traf er auf dem Kölner Bahnhof mit seinem ehemaligen Lehrer Zusammen, der einige kurze, aber ernste Worte an ihn richten konnte. — Die Befürchtung, daß die judenchristlichen Missionsarbeiter in Abessinien ermordet worden seien, gewinnt leider an Grund. Seit dem Februar 1886 hat man von ihnen keine Nach-