Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 8 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mann des Gebetes. Manchen Turm bestieg er, um dort mit entblößtem Haupt Gott für die Untenwohnenden anzuflehen. Verne Liebe zu den Juden und seine Teilnahme an der Arbeit der Londoner Gesellschaft erloschen nie. Man ersieht das auch aus seinem Lieblingsstudium: der Beschäftigung mit den auf Israel bezüglichen prophetischen Weissagungen. Sein englischer Biograph (vergl. The Mansfield and North Notts. Advertiser vom 13. Januar 1888) wendet auf ihn ein Wort des Hebräerbriefes an: „Die Welt war seiner nicht wert." Kleine Mische Chronik. In Breslau hat sich ein Verein zur Erhaltung eines täglich stattfindenden jüdischen Jugendgottesdienstes gebildet. Ein anderer neuer Verein, der auf Anregung eines Herrn Schönfeld entstanden ist, bezweckt die Pflege der Bekanntschaft mit der jüdischen Litteratur. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Rabbinatskandidat Dr. Goldhammer gewählt. Ein Bortrag des Rabbiners Dr. Joel vor den Bereinsmitgliedern behandelte Schillers Aufsatz: „Die Sendung Moses." Der Verein zur Unterstützung armer Hörer des jüdisch-theologischen Seminars vereinnahmte und verausgabte im letzten Jahr 3745 Mark. Die Zahl der Seminaristen betrug zuletzt 47. — Bei der Beerdigung des Rabbiners Cohn in Baiersdorf sprach außer Glaubens- und Arbeitsgenossen des Verewigten der Repetent Engelhardt aus Erlangen. Derselbe, wie Professor Franz Delitzsch ein Schüler Cohns, sagte: „Als evangelischer Christ stehe ich hier an der Bahre des Edlen, um Zeugnis abzulegen, daß ich nicht allein die Thora von ihm vernommen, daß er mich nicht allein in die Hallen der Wissenschaft eingesührt hat, nein, daß ich etwas von ihm lernte, was mehr wert ist als alles Wissen, und zwar daß ich Demut, Bescheidenheit und Nächstenliebe von ihm lernte". Auch am Grabe einer Jüdin in Lamspringe (Hannover) redete ein evangelischer Geistlicher, der durch seine Verwendung beim Konsistorium in Hannover es erreicht hatte, daß der christliche Begräbnisplatz für die jüdische Leichenfeier geöffnet wurde. — In Carlsruhe wurde Geheimrat Ellstädter, bisher Präsident des badischen. Finanzministeriums, zum Finanzminister ernannt. Er ist der erste Jude, der in Deutschland das Amt eines Ministers bekleidet. — Nach dem Jahresbericht des Vereins zur Verbreitung und Förderung des Handwerks unter den Juden sind im verflossenen Bereinsjahre 70 jüdische Lehrlinge bei Meistern der verschiedensten Gewerbe, insbesondere in den Rheinlanden, untergebracht worden. Hinsichtlich der Gewerbe-Zugehörigkeit dieser Lehrlinge hat das Schneidergewerbe mit der Zahl 12 die meisten derselben zu verzeichnen, 7 sind Klempner und Installateure, 6 Schuster, die übrigen verteilen sich in Zahlen von 2, 3 und einem auf die verschiedensten anderen Handwerksbetriebe. Der Bericht tritt in längerem Ausführungen der Behauptung entgegen, daß in israelitischen Kreisen eine Abneigung gegen das Handwerk vorherrsche. Der Grund, weshalb thatsächlich wenige Israeliten Handwerker werden, liege vielmehr an den vielfach unüberwindlichen Schwierigkeiten, welche sich den Eltern entgegenstellen. Die Mitgliederzahl ist seit dem vorigen Jahre von 700 auf 1082 gestiegen; diese verteilen sich auf 144 Städte gegen 105 im Vorjahre. Der Verein, welcher unter dem Vorsitz des Rabbiners Dr. Wedelt in Düsseldorf steht, bittet um allseitige Unterstützung und Befürwortung, da