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Dibre Emeth · 1888-01-01 · 3 (1888) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
44 (1888)
Issue
3 (1888)
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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18 Was war es nun mit dieser Begebenheit, was hatte sie zu bedeuten? War es nur eine Versuchung, in der Abraham bewährt werden sollte? Oder aber wollte nichtJehovah zugleich mit diesem äußersten Opfer, das er einem Menschen zumutete, das größte Opfer prophetisch vorausdarstellen, das er selbst den Menschen zu liebe bringen wollte? Gewiß, nur so würdigen wir die That des Patriarchen ganz. Ist doch auch die Stätte ganz die nämliche. Auf den Morijahöhen opferte Abraham den Isaak; auf den Morijahöhen stand dann der Tempel mit seinen blutigen Opfern; ans ebendenselben gab auch der Versöhner sein Leben in den Tod. — Durch jene Opferscene der Vorzeit zog Gott gleichsam den Vorhang zurück vor dem Geheimnis der Zukunft, ließ für einen Augenblick in schattenhaftem Bilde schauen, was sein Erbarmen in der Fülle der Zeit vollbringen wollte. In einem Nu aber — das Opfer kam garnicht erst zur wirklichen Ausführung! — da war der Vorhang schon gleichsam wieder zugezogen, und man sah jetzt nur, ebenfalls prophetisch vorgebildet, was inzwischen bis auf den Tag der Erfüllung ersatzweise zur Versöhnung der Abrahamskinder geschehen sollte. Denn dieses Widderopfer Abrahams, was war es anders, als nur gewissermaßen der erste Ring jener langen Kette von Tieropfern, die, naä) diesem Muster dargebracht, nun die ganze Zeit als einstweilige Sühnmittel ausfüllen mußten: von dem Tage an, wo Abrahams Same zum Volk wurde am Sinai, bis auf den Tag, wo das eine, ewig gültige Sühnopfer all die übrigen aufhob und unnütz machte. Wenn aber diese Erfüllung mm so ganz dem einstigen Vorbild entsprach, wenn hier wiederum ein Vater, freilich unsichtbar, feinen einzigen, geliebten Sohn hinaufführte auf dieselbe Morijahöhe, wenn der Sohn auch das Holz selber trug, auf dem er dann gebunden und geopfert, nun thatsächlich geopfert wurde, wenn der Vater nach drei Tagen den Sohn auch von den Toten wiedernahm: o saget, ist das nicht in Wahrheit auch noch ein beglaubigendes Siegel für die Heilsbedeutung des Todes Jesu von Nazareth?! Und so muß es ja jeder verstehen, warum wir in froher Glaubensgewißheit den Israeliten unserer Tage in die Arme fallen und ihnen zurufen möchten: „Haltet ein mit der Feier eures Jom-Kippur! Ihr jaget noch immer einem Schatten nach, wo doch der Körper, die wesentliche Versöhnung, schon da ist. Kommt, feiert mit uns den Karfreitag! Das ist der Bersöhnungstag der Welt, den der Herr gemacht hat. Lasset uns gemeinsam — ihr aus Israel, wir aus den Heiden —uns freuen und fröhlich darinnen sein! Ein Opfer schlachten wir an diesem Tage nicht. Denn mit seinem Opfer hat der Messias schon in Ewigkeit vollendet

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