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Dibre Emeth · 1887-01-01 · 10 (1887) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
43 (1887)
Issue
10 (1887)
Date
1887-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Gin Keligionsgespräch. A. : Sie bezeichnen sich als einen Freund Israels. Wären Sie wirklich ein solcher, so würden Sie sich nicht bemühen, uns Juden von unserm Glauben abwendig zu machen. B. : Im Gegenteil, Herr Rabbiner. Gerade weil ich Ihr Volk liebe, möchte ich es von dem befreien, was Sie „unfern Glauben" nennen. Es thut mir in der Seele leid, wenn ich sehe, wie die Nachkommen Abrahams nicht mehr die Offenbarung Gottes, sondern allerlei Menschenfündlein zur Grundlage ihrer Religion machen. A. : Aber ich bitte Sie: Liegt denn nicht das Alte Testament unserm Gottesglauben und Gottesdienst zu Grunde? B. : Das bestreite ich eben. Ihre strenggläubigen Kollegen lassen sich durch die 12 Folianten des Talmud den Blick trüben und die Fähigkeit rauben, die Schriften Moses und der Propheten zu verstehen. Ihre eigene Richtung aber, die freisinnige, erbaut um diese Schriften herum eine Mauer, die aus den Behauptungen der modernen Bibelkritik und Philosophie besteht. So wird Ihr Volk von zwei Seiten her um sein wertvollstes Gut, jenes heilige Buch, gebracht. A. : Sie haben ja innerhalb des Christentums ganz dieselbe Erscheinung. Wo in aller Welt finden sich heutzutage Leute, die sich streng an das Neue Testament anschließen? B. : An solchen fehlt es nichts Herr Rabbiner. In unserer evangelischen Kirche giebt es Tausende, die dies Buch zur Richtschnur ihres Lebens machen, die nicht die vielfach verderbte menschliche Auslegung, weder die orthodoxe noch die liberale, an die Stelle des Textes treten lassen. A. : Ich begreife Sie nicht. Jeder, der die Bibel liest, legt sie sich nach irgend einer vorgefaßten Meinung aus, wenn er auch meint, lediglich an der Quelle zu schöpfen. B. : Nein, Herr Rabbiner! Der offene, lautere Sinn thut nichts dazu und nichts davon. Wer in herzlichem Verlangen nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden das Buch der Bücher in die Hand nimmt, dem erklärt es Gott selber durch seinen Geist. Ein solcher sieht in den Zusammenhang zwischen Natur und Offenbarung und wiederum zwischen der Offenbarung des alten und des neuen Bundes hinein. A. : Ach, gehen Sie mir mit ihrer „Offenbarung"! Woran soll ich erkennen, daß die Bibel der Niederschlag einer wirklichen Offenbarung ist? B. : Ich verwies Sie ja schon auf das Zeugnis des göttlichen Geistes, das jeder in seinem Innern vernimmt. Lesen Sie doch ein-

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