Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 43 (1887)
- Issue
- 7 (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Der neue Bund ist nun, wie vom Prophetenmunde verheißen, aus Gnaden aufgerichtet durch den Messias, Jesus von Nazareth. Aufgerichtet ist er vor mehr denn 1800 Jahren in dem Volke Israel, und wie ein Strom des Segens ist von dort aus das neue Leben auch zu den andern Völkern gegangen. Das in das Erdreich gesenkte Senfkorn ist aufgegangen und so groß geworden, daß die Vögel unter dem Himmel ihre Nester darin bauen. Unter den Segnungen des Christentums entwickeln sich Familien, Gemeinden und ganze Völker zu gesittetem bürgerlichem Leben und freuen sich der Barmherzigkeit ihres Gottes. Immer neue Scharen werden dem Heilande zugeführt, neue Völker treten ein in den Gnadenbund, in den neuen Bund des Herrn, von welchem der Prophet geweissagt: nur das erstgeborene Volk, das Volk der Wahl, steht fragend und zweifelnd zur Seite. Es liegt ein Bann auf Israel, seitdem es den verworfen hat, der als der Erlöser in die Welt gekommen ist. Aber es muß und wird anders werden, denn Gottes Wort verbürgt uns solches. Daß es bald anders werden wird unter Israel, .scheint imyrer mehr zur Gewißheit zu werden. Wie ist doch namentlich hierzulande manches anders geworden! Wie sind die vielen unübersteiglichen Schranken, mit denen die Juden von den Christen abgesondert waren, in vielen Beziehungen gefallen! Wie reichlich strömt frisches Wasser hinein in Israel durch die Verbreitung des Gotteswortes! Wenn auch in diesem Jahre nicht viele Taufen bei uns zu verzeichnen sind, so ist doch ein Fragen und Forschen in größeren Kreisen. Es würde eine höchst interessante Zusammenstellung von Personen und Verhältnissen geben, wenn aus dem verflossenen Jahre die reichhaltige Korrespondenz vorgeführt würde, die aus verschiedenen Orten von heilsbedürftigen Israeliten eingegangen ist. Alt und Jung, Männer und Frauen, Begüterte und Unbemittelte offenbarten Verlangen nach dem neuen Bunde. Es ist sicherlich nicht zufällig, daß gegenwärtig in unserm Reiche eine allerhöchst bestätigte Kommission tagt, welche die bürgerliche und gesetzliche Stellung der Juden in Rußland zu ordnen und zu klären hat. Während meiner Anwesenheit in Petersburg im Februar 1886 wurde mir die Ehre und Freude, an einer Konferenz derselben teilzunehmen. Es ist ja eine sehr schwierige Aufgabe, welche diese Kommission zu erfüllen hat. In derselben sind Personen verschiedener christlicher Konfessionen und aus verschiedenen Gebieten staatsamtlicher Wirksamkeit. Ich erhielt aber den Eindruck, daß die Antvesenden mehr oder weniger in einer gläubigen Stellung zum Herrn sich befinden. Wenn es zu einer durchgreifenden christlichen Umgestaltung des Judenvolkes kommen