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Dibre Emeth · 1887-01-01 · 1 (1887) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
43 (1887)
Issue
1 (1887)
Date
1887-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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man die Kinder der Ungerechtigkeit täglich gehen, ja mit Lust hindurchgehen sieht! Wie viel häßlicher sieht sich doch, im Lichte der Ewigkeit betrachtet, der Weg der Sünder an, als irgend einer der Wüstenwege, welche Jesu Fuß betrat! Darum hat es unser König seinem Volke so gut gemacht, daß er es in einer Stadt will wohnen lassen, wo es auf goldenen Gassen gehen soll. Wo ist die Stadt, darin nichts Gemeines ist, wöhinein kein Greuel und keine Lüge kommt? Johannes hat sie im Geiste geschaut, als er auf einen hohen Berg geführt wurde. Man schaut sie also im Geiste, das heißt, wenn einem der heilige Geist die Augen aufthut; man sieht sie, wenn man sich in der Kraft des Wortes und des Geistes über das Gemeine, die Greuel und die Lügen erhebt, wenn man im Gebete auffährt wie mit Adlersflügeln. Wenn du also den Tag über auf dem Acker oder in der Schreibstube, auf dem Markte oder in der Küche, im Gerichtssaale oder in der Kaufhalle gearbeitet hast und hast durch viel Zank und Haß, Bitterkeit, Lüge, Selbstsucht, Geiz und Tücke hindurchgehen müssen, und deine Seele ist müde geworden von alle dem, was du gehört und gesehen hast, so gehe des Abends in dein Kämmerlein, nimm die Bibel zur Hand und lies. Ah, darin weht Lebenslust! Je länger du liesest, desto mehr erhebst du dich über die Greuel und das Gemeine; du steigst wie auf einen hohen Berg; unten im Thale liegt schwerer, qualmender Nebel, aber du stehst in heiterer Luft und schaust in die Stadt mit den goldenen Gassen, in das Reich des Gesalbten, da Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit wohnen, da die Berge Frieden bringen und die Hügel heiliges Recht. Wo ist die Stadt, die aller Städte Krone ist? Du seufzest vielleicht mit Sehnsucht nach ihr, und meinest, du müßtest wohl warten, bis du heimgegangen wärest, um auf den goldenen Gassen wandeln zu können. Aber wirklich, mein Bruder, hast du Lust, so lange du hier bist, auf schmutzigen Pfaden zu wandeln? Der Herr hat sein Volk viel zu lieb, als daß er das zugeben sollte! Hat er sie erkauft von der Erde, so will er nicht, daß sie sich ferner mit Staub von der Erde beschmutzen sollen. Das himmlische Jerusalem ist nicht nur im Himmel, obwohl es vom Himmel herab gekommen ist. Es ist auch auf der Erde, obwohl es nicht von der Erde ist. Es ist überall da, wo Gottes Wort von Menschen ausgenommen wird, wo Menschen in Gottes Wegen wandeln. Sind Gottes Wege nicht „goldene Gassen"? Sind sie nicht „klar, wie durchsichtiges Glas"? Sind sie nicht allesamt recht und heilig? Das Gold, das den Grund der Gassen Jerusalems bildet, ist Gerechtigkeit, Wahrheit und Liebe. Insbesondere die Liebe nennt Paulus 1. Cor. 12, 31 einen „köstlichen Weg".

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