Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 12 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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95 das Licht der Welt", und: „Ich bin zum Gericht auf diese Welt gekommen, auf daß, die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden" (Joh. 9, 5 u. 39). S. 192 lesen wir: „Dann erst weicht die Finsternis vor dem Licht, wenn ich bei Gott Gnade gefunden vor Gericht." Wer an den Messias Israels und der gesäurten Menschheit, den Bethlehemiten und Nazarener, den Erniedrigten und Erhöhten glaubt, der findet Gnade und kommt nicht ins Gericht. Aus der Predigt eines Rabbiners. Drei Juden saßen im Eisenbahnwagen und sprachen über die Rabbinerwahl ihres Ortes. Der eine freute sich besonders der getroffenen Wahl, weil der Rabbiner das Gesetz so trefflich auszulegen wisse. „Hört nur, was er uns am letzten Schabbes (Sabbath) sagte! Es lebten einst — so ungefähr erzählte er — sieben Brüder beisammen. Sechs gingen auf die Arbeit, der siebente aber hielt Haus. Und wenn die sechs Brüder matt und müde von der Arbeit heimkehrten, so fanden sie das Haus geschmückt und geordnet, das Mahl bereitet und das Licht angezündet. Darüber freuten sie sich und lobten den siebenten Bruder. Aber es war einer unter ihnen, der wollte klüger sein als sie alle und schalt den siebenten Bruder einen Faulenzer und Tagedieb, der auch mit zur Arbeit gehen und sein Brot verdienen sollte. Das böse Wort fand leider bei den andern Eingang und sie nötigten den Bruder, daß er Axt und Karst nahm gleichwie sie und mit ihnen früh am Morgen an die Arbeit ging. Abends traten sie den Heimweg an. Kein freundlicher Lichtschein winkte ihnen von ferne, keine fürsorgende Hand hatte das Hauswesen geordnet und den Tisch gedeckt, kein Bruder empfing sie mit freundlichem Händedruck und herzlichem Wort. Sie merkten jetzt, wie thöricht sie gehandelt und fühlten sich, weil's ihre Schuld war, doppelt elend und verlassen. Forthin blieb darum auch der siebente Bruder wieder um Hause, und das verlorene Glück des Bruderkreises kehrte zurück. Also, sagte der Rabbiner, ist der Sabbath unter seinen Brüdern der Tag, der den sechs Wochentagen Licht, Heil und Segen bringt. Ihr Kinder Israel, wenn Leute kommen, die klug sein wollen und diesen Bruder Faulenzer und Tagedieb schelten, ihn auch zur Arbeit zwingen und sein heilig Recht ihm nehmen wollen: traut ihnen nicht, glaubt ihnen nicht! Ihr schadet euch selbst am meisten, ihr raubet euch den Segen, ihr verlieret eures Hauses Licht und