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Dibre Emeth · 1886-01-01 · 12 (1886) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
42 (1886)
Issue
12 (1886)
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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90 sammlung, um den Körper der Entschlafenen an Herrn Zerbib zu übergeben. Die Leiche wurde aus der Wohnung geholt, unter feierlichen Zeremonien an die Christen abgeliefert und dann von diesen getragen. Hunderte aus dem Volke Israel waren dabei zugegen; sie folgten der Leiche und sangen hebräisch den 91. Psalm. Am Thor unseres christlichen Friedhofs empfing ich die Hülle und übergab sie der Erde, nachdem ich unfern Begräbnis-Gottesdienst in hebräischer Sprache gehalten und die Responsorien auf die Bibelverse von jenen Hunderten empfangen hatte. Männer, Frauen und Kinder füllten die Terrassen und Hügel. Statt Beleidigungen wurden freundliche Worte, Äußerungen des Dankes auf uns herabgerufen. Zum erstenmal, so viel ich weiß, hat eine jüdische Gemeinde mit Juden-Christen in einem so feierlichen Gottesdienst mitgewirkt. Zum erstenmal, wahrscheinlich, sind die Psalmen Davids, welche in der Synagoge gebraucht werden, und die, welche wir in der christlichen Kirche benutzen, von den vereinten Lippen talmudischer Juden und jüdischer Christen gesungen worden, und zwar zu demselben Zweck. „Ramo wurde neben Salomon Darmon begraben. Er war der jüngste, sie die älteste unter meinen Proselyten. Diese beiden Juden-Christen waren ein Licht in der finstern Umgebung, so lange sie lebten. Auch jetzt, obgleich sie tot sind, reden sie noch, und ihr Licht scheint und wird eine Flamme werden, wann immer ihr Name genannt wird. Bon Ramos früherem Leben wissen wir wenig, außer — und das ist genug für unseren Zweck — daß sie durch ihre Frömmigkeit und Wohlthätigkeit bekannt war. Sie wurde immer nur als „die gute Ramo", „die alte Ramo" oder „die Gerechte", „die Heilige" bezeichnet. Von dem ersten Tage an, wo sie in die Missionsanstalt eintrat, nahm sie Anteil an unfern Schulen, übernahm auch bald den Dienst in den Mädchen- Klassen und blieb seitdem nie außer Verbindung mit uns. Wenn sie ihre Arbeit beendet hatte, pflegte sie neben den Kindern zu sitzen und hörte ihrem Unterricht zu. So sog sie nach und nach die Wahrheit des Evangeliums ein und wiederholte sie in ihrer besonders lebendigen und beredten Weise ihrem Volke, wenn sie in das Judenviertel zurückkehrte. Die Folgen hiervon waren natürlich Drohungen und Verfolgungen, die bis zu ihrem Ende anhielten. Sie wurde geschlagen und eingesperrt. Aber, weit entfernt, daß dies ihren einfachen, tief gewurzelten Glauben erschütterte, wurde es ihr nur ein stärkerer Beweisgrund zu Gunsten der Messianität Jesu und gegen die Rabbiner. „Ich gebe Euch Schriftlehre und Ihr gebt mir Schläge und Drohungen" sagte sie oft. Sie versäumte keine Gelegenheit, mit Juden und Muham-

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