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Dibre Emeth · 1886-01-01 · 10 (1886) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
42 (1886)
Issue
10 (1886)
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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78 in den Himmel erhöht wurde. In der Geschichte dieses Jesus stimmt alles mit den alten Verheißungen wunderbar überein. Das Werk Christi aber stellt uns der Text als eine Befreiungsthat dar. Er reiht den Herrn damit nicht in die Schar der jüdischen oder heidnischen Freiheitshelden ein, die ihrem Volk das eiserne Joch einer Fremdherrschaft vom Nacken rissen. Die That Christi gehört zunächst einem andern Gebiete als dem des äußern Lebens an. Der Evangelist Johannes berichtet, Jesus habe einmal den an ihn glaubenden Juden zugerufen: „So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen." Und weiter habe er gesagt: „So euch der Sohn freimacht, so seid ihr recht frei." Solche Aussprüche weisen uns in die innere Welt hinein. Um Vorgänge des Geisteslebens handelt es sich hier. Christus hat zuerst den Verstand von der unrichtigen oder halbrichtigen Erkenntnis Gottes, des Schöpfers, und seiner Geschöpfe befreit. Er hat uns die Wahrheit enthüllt, soweit sie überhaupt Menschen enthüllt werden kann. Zwar sehen wir immer noch durch einen Spiegel und nicht von Angesicht zu Angesicht. Aber welche Weisheitsschätze sind uns doch zu teil geworden! Die tiefsinnigsten Denker werden sie nie vollständig verarbeiten. Insbesondere hat der Mittler der neuen Offenbarung uns von den verkehrten Auffassungen der alten frei gemacht. Allerlei Menschensatzungen waren an die Stelle der Worte Gottes gerückt worden: er hat ihnen das Los bereitet, das ihnen gebührte. Christus hat auch das Gemüt von der tiefsten Traurigkeit befreit. Als das Lamm Gottes hat er der Welt Sünde getragen, die Schulden bezahlt, die Übertretungen vergebbar gemacht. Sollte den nicht die größte Freude erfüllen, den er unter seine Erlösten aufnimmt? Der Christ ist los von der Macht des bösen, quälenden Gewiffens. Er wird auch durch die Erinnerung an den Tod und das Gericht nach dem Tode nicht geängstigt. Nein, der Blick auf die Zukunft steigert nur seine Freude, führt die Zukunft ihn doch nur auf eine höhere Stufe der Gemeinschaft mit seinem Befreier. Und dieser Befreier hat endlich auch auf den Willen eingewirkt. Ohne Christum sind wir nicht nur unfähig, sondern auch ungeneigt, den Willen Gottes zu vollbringen. Und doch ruht das Heil des Menschen in der Übereinstimmung seines Willens mit dem göttlichen. Der Geist Jesu Christi, und er allein, bringt dies Wunder fertig. Er schenkt uns die wahre Willensfreiheit. II. Mit der frohen Botschaft unseres Textes ist eine ernste Mahnung verbunden. Paulus ruft uns zu: „So besteht nun in der Freiheit und laßt euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen!"

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