Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 3 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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(Joh. 4, 22) selbst nachgelesen hatte, kaufte er ein Exemplar und bezeichnete sich die Stelle. Am nächsten Tage kaufte er ein hebräisches Neues Testament, um es mit dem früher von ihm gekauften zu vergleichen." Als am 20. September 1870 die Truppen Victor Emannels in Rom einzogen, da hielt auch die Bibel ihren Einzug in die Stadt, die ihr Jahrhunderte lang verschlossen gewesen war. Sechs Bibel-Kolporteure sind an diesem Tage nach Rom gegangen. Sie haben von einer Klasse der Bevölkerung „ein herzliches Willkommen erhalten, nämlich von den lange unterdrückten Juden, welche in dem niedrigen Teile der Stadt zusammengedrängt leben. Ihr Ghetto ist noch der Stelle nahe, welche ihren Vorfahren von Titus, wenn nicht schon früher von Pompejus, zum Wohnsitze angewiesen wurde. Unter der Regierung Pius des Neunten haben sie viel weniger gelitten, als unter seinen Vorgängern, aber selbst fein Joch war ein sehr drückendes. Sie hatten nicht die gewöhnlichen Rechte von Bürgern. Sie standen unter dem Cardinal- Vikar, anstatt unter der gewöhnlichen Polizei. Ihr Zeugnis vor Gericht hatte niemals Gültigkeit gegen einen Christen. Wenn ein Jude in seiner Armut der Versuchung nachgab, katholisch zu werden (ein sehr seltenes Ereignis), so wurde er nach dem Hause der Katechumcnen geschickt, einem großen Kloster, für dessen Unterhaltung die Juden gezwungen wurden, jährlich 1100 römische Scudi zu zahlen (außerdem zahlten sie 300 für das Kloster der Konvertiten). Die Geschichte der Unterdrückung der Juden unter den Päpsten ist eine lange und traurige. Selbst die hebräische Bibel konnte nicht frei nach Rom gelangen. Die Juden können die Freiheit, die sie jetzt genießen, kaum begreifen, und sie wenden sich im Gefühle großer Erleichterung zu Schriftstellen, wie die folgende ist: „Und zu der Zeit, wenn dir der Herr Ruhe geben wird von deinem Jammer und Leid, und von dem harten Dienst, darinnen du gewesen bist, so wirst du ein solches Sprüchwort führen wider den König zu Babel und sagen: Wie ist es mit dem Treiber so gar aus, und der Zins hat ein Ende? Der Herr hat die Rute der Gottlosen zerbrochen, die Rute der Herrscher." Jesaia 14, 3—5. Die Juden in Rom zählen etwa 4800 Seelen und die größere Mehrzahl von ihnen ist arm. Viele haben eine Bibel, den Pentateuch, oder die Psalmen gekauft, je nachdem sie es vermochten; und mehrere haben die ganze italienische Bibel gekaufte indem sie dieselbe dem Alten Testamente allein vorzogen." F. H..in Berlin.