Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 3 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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hebräische Bibel und sagte mit leuchtenden Augen: „Vater, sieh', das ist ein Thenach;*) kaufe mir den Thenach!" Der Vater hatte zuerst wenig Lust. Da sagte ich zu ihm: „Sie sollten Gott danken, daß ihrem Sohne die Augen so leuchten, wenn er eine Bibel sieht, und Sie sollten sich schämen, ihm diese Bitte abzuschlagen." Da kaufte der Vater die Bibel, und ich habe selten ein Gesicht so glückstrahlend gesehen wie das dieses Judenknaben, als er mit seinem Schatz von dannen zog. Bei der Verbreitung der Bibel unter den Juden hat die Mission an der brittischen und ausländischen Bibelgesellschaft eine treue und liebe Gehilfin. In Warschau, einer der bedeutesten Missionsstationen, befinden sich zwei Fenster, welche die Aufmerksamkeit der Juden auf sich ziehen. Das eine enthält besonders Missionsschriften, welche der Kolporteur der Londoner Mission ausgelegt hat. Das andere ist das Schaufenster jener Bibelgesellschaft, welche ihr Depot in einer der belebtesten Straßen hat. In sehr praktischer Weise sind in diesem Fenster aufgeschlagene Bibeln ausgelegt. Von Zeit zu Zeit wird eine andere Stelle aufgeschlagen, so daß die Vorübergehenden hier Gelegenheit zum Bibellesen haben. Eines Tages standen an diesem Fenster ein Christ und ein Jude. Sie kamen in ein Gespräch über eine aufgeschlagene Bibelstelle. Der Christ bemühte sich, dem Sohne Abrahams die Bedeutung dieser Bibelworte zu erklären; der Jude machte seine Entgegnungen. Mitten in dem Geräusch und, Gewirr der belebten Straße wurden die tiefernsten Fragen der Zeit und Ewigkeit lebhaft verhandelt. Ein junger Jude kam einst zufällig an dem Bibeldepot vorüber. Seit dieser Zeit war es ihm, als ob eine unsichtbare Macht ihn fortwährend nach dem Fenster triebe. Der Depotverwalter redete ihn einmal an, und da sagte ihm der Jüngling, er könne das, was im Neuen Testament stehe, nicht glauben, und doch lasse es ihm keine Ruhe. Der Warschauer Depotverwalter teilt folgenden Fall mit, der ebenso lehrreich als ermutigend ist: „In einem Dorfe bei Warschau lebte ein jüdisches Ehepaar in angenehmen Verhältnissen mit seinen zwei Kindern. Der Mann mußte Soldat werden, und wiewohl sein betrübtes Weib ihr Äußerstes that, um ihn frei zu machen, so war es doch zu spät, und er wurde mit Marschordre *) Die Juden teilen das Alte Testament ein in: Thorah (Gesetz, d.h. fünf Bücher Mose), Nebhiim (Propheten, d. h, Josua bis Könige und die prophetischen Bücher) und Lhctubhim (heilige Schriften, d. h. die übrigen Bücher). Die Anfangsbuchstaben dieser drei Worte ergeben zusammen: Thenach.