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Dibre Emeth · 1885-01-01 · 9 (1885) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
41 (1885)
Issue
9 (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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71 Entschluß fest, und sie betraten von da an keine katholische Kirche mehr. Was ihre Väter an den Wassern Babylons gelernt hatten, das konnten sie nicht vergessen. Später kam sie nach Madrid; ihr Bruder ging nach Valladolid. Dort starb derselbe, ohne daß er einen katholischen Priester an sein Sterbebett hatte rufen lassen. Daher wurde die Leiche nicht in geweihter Erde, sondern auf dem Civilfriedyof bestattet. Die Schwester nun lernte unsere evangelischen Gottesdienste kennen. Mit Freuden hörte sie der Verkündigung des lauteren Gotteswortes zu und wandte allen Fleiß darauf, es selbst lesen und verstehen zu lernen. Auch in ihrem dürftigen Heim forschte sie fleißig darin. Der Priester aber wurde auf ihr Thun und Treiben aufmerksam und begab sich eines Tages zu ihr, um sie über ihren Abfall von der Mutterkirche und ihren Anschluß an die evangelische Gemeinde zur Rede zu stellen. „Dein Bruder ist in der Hölle, denn er ist ohne den Segen der Kirche gestorben, und Du wirst, wenn Du so sortfährst, denselben Weg gehen." „Nein, Herr Priester," erwiderte sie, „mein Bruder ist nicht in der Hölle, aber wo werdet Ihr hinkommen, die Ihr uns so lange im Dunkeln gelassen, uns in die Irre geführt und in die Gefahr der Hölle gebracht habt?" „Was hast Du da für ein Buch?" fuhr er fort, als er eine Bibel auf dem Tisch liegen sah. „Es ist das beste Buch, was es giebt," erwiderte sie, „es ist die Bibel, die mir den Weg zu Christo und zum Himmel zeigt." „Es ist ein schlechtes, gottloses Buch," rief er, „Du bist verloren, wenn Du das Buch mir nicht giebst." Sie aber hatte das Buch schon ergriffen und drückte es fest an sich. „Ich gebe es nicht!" rief sie. Er suchte es ihr zu entreißen, stieß sie und schrie: „Du hast den Teufel im Leibe!" Aber trotz seines Zerrens und Dräuens ließ sie es nicht fahren und erwiderte: „Herr Priester, das ist hier meine Wohnung und mein Buch; ich habe Ihnen nichts zu Leide gethan; rühren Sie mich nicht noch einmal an, sonst werde ich Ihnen zeigen, was gut ist!" Der Priester aber zeigte kein Verlangen nach der Erkenntnis dieses Guten; vielleicht dachte er auch an das spanische Sprichwort: „Besser ein bekanntes Übel, als ein unbekanntes Gut". Eingeschüchtert durch das beherzte Auftreten des Weibes, zog er von dannen, freilich nur, um bald darauf wiederzukehreu und seinen Angriff zu erneuern. Der Herr aber stärke unsere „Dolores", ihren Weg unbeirrt weiter zu gehen. Noch ist sie nicht öffentlich zur evangelischen Kirche übergetreten; sie sagt, sie müsse erst noch gründlicher die evangelische Heilslehre kennen lernen. So giebt ihr denn ihn lieber Lehrer allsonntäglich in unserm Hause christlichen Unterricht. Aber in ihrem Herzen und Wandel zeigt sie sich als das.

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