Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 11-12 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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187 Im ganzen preußischen Staate lebten 1880 von 364000 Juden in Städten 294000, auf dem Lande 69 000, von denen überdem nur eine ganz verschwindende Zahl Ackerbau trieb; fast % aller Juden wohnten also in der Stadt. Ergriffe das übrige Volk dasselbe Fieber, in die Städte zu ziehen, dann wäre der größte Theil unseres Landes längst eine Wüstenei. Sodann wandern ebenso wie Christen auch mehr Juden in Preußen aus als ein; von 1855—1880 sind 24 500 Inden mehr ausals eingewandert. Viel auffälliger dagegen ist jene Verschiebung in der jüdischen Bevölkerung, welche sie in die größten Städte des Landes führt; die Zahlen beweisen dies. Dr. Neumann freilich hat seine Statistik in dem Interesse geschrieben, die Bedenken, welche der Juden halber in Deutschland laut werden, zu widerlegen; trotzdem hat er mit der Anführung der dürren Zahlen, die er nicht abändern konnte, das Gegentheil erreicht. So muß er selbst berichten, daß gegen 16 000 Juden in den vier Ostptovinzen Preußens, in Berlin, Frankfurt a. M. und der Stadt Stolp dem Auslande entstammen, und diese alle bis auf 1600 aus Rußland oder Oesterreich-Ungarn gekommen sind. Also bereits der 23. Jude Preußens entstammt nicht dem eigenen Lande, sondern zumeist russischen, polnischen oder österreichischungarischen Juden; zwischen 4 und 5 Prozent sind Ausländer, die um ihrer ganzen Vergangenheit willen unserm Staate durchaus nicht als ein erwünschtes Element erscheinen können. Uebertrügen sich aber auch auf die übrige Bevölkerung des Staates ähnliche Verhältnisse, so hätten wir fast 1200 000 Ausländer unter uns zu wohnen, und der Staat geriethe dadurch in Verlegenheiten ernstester Art. Hierzu kommt übrigens, daß die Judenschaft unserer größten Städte ganz besonders viel ausländische Juden in sich birgt; in Berlin ist bereits der 18. Jude ein russischer oder österreichischer, und dieser Umstand übt auf das gesammte Verhalten der Berliner Judenschaft einen überall erkennbaren Einfluß aus. Gerade Dr. Neumanns Tabellen haben uns Manches noch weit erklärlicher gemacht, was uns in den letzten Bewegungen, die gegen die Juden gerichtet sind, entgegengetreten ist. Das Abnehmen der Juden hier, das Anschwellen dort, das Wandern derselben in die großen Städte, welches ganz andre Maße als bei den Christen annimmt, die Zusammensetzung vieler und ein-