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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 9-10 (1884) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
9-10 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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141 Es heißt daselbst: ES ist schon wiederholt bemerkt worden, daß in Deutschland die Hochfluth des Antisemitismus, wie sie polternd und schäumend in der Zeitungspresse, Versammlungen, Flugblättern und Brochüren sich ergossen, im Ablauf begriffen ist. Jst's doch auch natürlich, daß ein solches Thema sich erschöpft und das Publikum dessen überdrüssig wird; noch dazu, da selbst die Agitatoren nichts anzugeben wissen, womit dem unvermeidlichen Nebel abgeholfen werden könnte, und die Pöbelexesse Gesetz und Ordnung verspotten und Gefahren ‘ über die ganze Gesellschaft heraufbeschwören, welchen der Strafrichter mit Ernst und Strenge entgegentreten muß. Wären wir also mit all' jenen schmählichen Erscheinungen vorläufig fertig, so können wir uns doch nicht verhehlen, daß sie in der Volksmasse selbst eine dauernde Wirkung unseliger Art zurückgelassen haben. Der in den letzten vier Jahrzehnten zurückgetretene Haß und das vielfach zerstreute Borurtheil gegen die Juden sind von Neuem und im heftigen Maße geweckt, großgezogen, gepflegt worden. Man hat die allgemeine Bolksmeinung dermaßen wieder bearbeitet, daß Unduldsamkeit, Inhumanität, Berfolgungssucht sich in der verschiedensten Weise äußert. Vor uns liegt ein Schreiben aus Breslau, in welchem uns eine traurige Schilderung von der Behandlung gegeben wird, welcher die Juden in dieser Stadt ausgesetzt sind. Es gibt ganze Straßen dort, wo es den Juden unmöglich gemacht wird zu wohnen, weil ihnen die Mitbewohner das Leben auf alle mögliche Weise verbittern und sie kaum in ihren eigenen Zimmern vor Beschimpfung sicher sind. Auf manchen Straßen kann sich kein Jude blicken lassen, ohne mit Beleidigungen überhäuft zu werden. Daß diese Zustände auch auf Handel und Wandel Einfluß üben, versteht sich von selbst. Allerdings gereicht es zum Tröste, daß solch ein Treibe» doch nur an gewissen Orten stattfindet. Von Beginn an waren, außer Berlin, nur Breslau, Dresden, Leipzig und zuletzt auch Kassel Heerde des Antisemitismus, und deshalb ist es nicht zu verwundern, daß gerade an diesen Plätzen die Volksmasse davon infizirt worden ist. Im Gegeutheil gibt es Landschaften und Städte genug, in welchen das Vcrhältniß der Juden zu ihren christlichen Mitbürgern ein durchaus friedliches und harmloses geblieben ist. Gerade auf dem Lande ist dieses, wie wir wissen, vielfach ein recht vertrauliches, und den oft ge-

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