Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 7-8 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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115 schreibern könnten wir niemals einen Staat bilden, und Sklaven halten geht heute nicht mehr an. Und je mehr die Verwirklichung dieser Idee durch die im Entwickeln begriffenen politischen Neugestaltnugen im Orient in den Bereich der Möglichkeit tritt, desto mehr werden wir uns beeilen, das Christenthum als die weltcrlvscnde Religion anzuerkennen, stolz auf dasselbe zu sein, als die Vollendung der jüdischen Verheißung. Denn nur bei Anerkennung dieser Thatsache ist es möglich, daß wir wieder Palästina besitzen können, in welchem das Christenthum seine Heiligthümer hat und diese sicher nicht einer Nation preisgeben wird, die keine Achtung vor denselben hat. Als Juden, die in der Verwirklichung und Verallgemeinung des Christenthums ihre Erlösung sehen, sind wir die besten Wächter der heiligen.Stätten und die unparteiischsten Rufer aller Völker der Erde: »Kommt heraus zum Berge Gottes!« Diesem Zeugnisse haben wir nichts hinzuzufügen. Daß der Oelbaum Israels noch nicht gänzlich erstorben ist, beweisen solche Knospen. Und wer Augen zu sehen hat, der wird es erkennen, daß die gegenwärtige Bewegung, welche die Judenfrage zu einer tagtäglichcn Frage im Leben der Völker gemacht und dieselbe den Nationen zum Bewußtsein gebracht hat, von einem Höheren, als es dieser und jener Mensch ist, auf die Tagesordnung gesetzt worden ist. Eben deshalb kann und wird sie auch nicht verschwinden, allen Philosemiten zum Trotz. Daß diese Erkenntniß sich da und dort lebendiger unter den Juden selbst zu regen und Bekenntnisse, wie das eben angeführte, zu erwecken beginnt, ist von ungemeiner Bedeutung. Wir sehen, es ist nicht möglich, mit allen Mitteln der Menschen die Entwickelung aufzuhalten, welche Gott der ganzen Welt, allen ihren Völkern und auch den Juden gibt. Es ist nicht möglich, den Bau der modernen Welt, welche nicht mehr das Reich Christi sein wollte, unversehrt zu erhalten. Es ist nicht möglich, Christum auszulassen und Völkerversöhnungen oder Völkerverbindungen ohne Ihn zu stiften. Unaufhaltsame Bewegungen, die mit unwiderstehlicher Macht daherkommen, machen allen solchen Versuchen zu ihrer Zeit ein Ende. Diesmal ist es das Mittel des Antisemitismus und der Rassenfrage, welche dem Menschenhochmuth und der Menschensicherheit, dem Bildungsdünkel und der Fortschrittsbildung ein Ende machen. Die Lösung aber