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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 5-6 (1884) · page 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
5-6 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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96 »So!« sagte ich, »wenn Sie ein reicher Mann wären, so würden Sie sich schämen, von mir eine solche Summe anzunehmen. Aber hier würden Sie mit beiden Händen zugreifen. Warum? Weil Sie wüßten, daß dieser Empfang genau Ihren Bedarf deckt, und weil Sie wüßten, daß Sie selbst nicht zahlen könnten und darum einen Bürgen brauchen.« »Wer kann mir Bürge sein in solcher Sache?« Der Zug stand, wir waren in Jspringen, der Kondukteur riß die Thür auf uud rief: »Aussteigen!« Ich neigte mich über meinen Nachbar und flüsterte ihm in's Ohr: »Christus!« Da faßte er meine Hand mit beiden Händen und sagte mit bewegter Stimme: »Ach, daß Sie jetzt aussteigcn! Ich danke Ihnen von Herzen für alles, was Sie mir gesagt haben!« Ich sprang aus dem Wagen, der Zug brauste davon. Sinnend schaute ich ihm nach, wir hatten nicht einmal unsere Namen uns genannt. Aber ich pries Gott, daß es gerade so weit gereicht hatte, daß ich einer suchenden Menschenseele den Namen über alle Namen hatte sagen dürfen. Ueber dieser Freude war alle Müdigkeit hinweg, uud es dünkte mich selbst seltsam, wie wir vom Gründerschwindel zuletzt auf die tiefste Frage für Zeit und Ewigkeit gekommen waren. Unter dem Titel mancher Bücher ist bisweilen zu lesen: »Eine wahre Geschichte«. Ich hätte es auch unter meinen Titel setzen können. Denn es hat sich alles in Rede und Gegenrede so begeben, wie ich hier erzählt. Ich füge cs aber hinzu, weil der schöne Gang, die merkwürdige Zubereitung der Gedanken meines Nachbars durch den großen Versöhnungstag und der herrliche Abschluß die Meinung erwecken könnten, als hätte ich hier Wahrheit und Dichtung gegeben. »Ach, wenn dieser Mann Ihnen einst in der Ewigkeit vor Gottes Thron begegnen möchte!« sagte ein liebes Gcmeindeglied, dem ich die Begegnung mittheilte. Ich aber dachte beim Rückblick auf diesen Sonntag, bei diesem Stück Eisenbahnmission, an das Wort des Predigers: »Frühe säe deinen Samen und laß deine Hand des Abends nicht ab; denn du weißt nicht, ob dies oder das gerathen wird; und ob es beides geriethe, so wäre es desto besser!« (Pred. Sal. 11, 7.) Inhalt: Eine Breslauer Missionsfeier. — Neue Nachrichten aus Abessinien. — Ein Oelblatt. — Aus einem Proselytenleben. —> Eine Jnden- MissionSprcdigt am BerföhnungStage im Eisenbahnwagen. Preis des Jahrgangs 1 Mark. Bestellungen auf das Blatt nimmt außer dem Herausgeber Pastor de le Rvi in Elberfeld, auch Missionar Fl ad in Kornthal bei Stuttgart an. Briefe und Liebesgaben für die Judenmission sende man gesülligst an den Herausgeber. Z» Commission: Carl Dülfer's Verlag in Breslau. Druck der Schreiberhau-Diesdorfer Rettungs-Anstalten. (Diesdorf bei Kuhnern.)

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