Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 5-6 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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75 Räuber und Mörder sind; auch mußten wir unsre Esel vor wilden Thieren hüten. Den ganzen Tag marschiren und in der Nacht nicht schlafen können, ist wirklich eine große Plage und Anstrcuguug. Oft seufze ich in meinem Herzen: Ach Gött, gieb Friede und Ruhe unserm Lande!; Als die ängstliche Nacht verschwunden war, stand ich mit Lob und Dank auf, gürtete meine Lenden, wandcrte weiter meine Pilgerstraße und kam gegen 10 Uhr Vormittags nach Dengclber. Hier erschien mit Schwert und Schild bewaffnet eine Schaar Räuber. Die Leute der Karavane stellten sich militärisch aitfj Einer unter ihnen machte den Andern Fekera (Muth) und sagte: »Seid muthig, liebe Kameraden! Alles, was wir besitzen, unser HM und Gut ist bei uns; nichts haben wir zu Hause gelassen als arme Kinder und Frauen. Womit sollen wir unsre Frauen und Kinder ernähren, wenn diese Mörder uns Alles rauben? Darum seid wacker und kämpfet tapfer mit dem HErrn, daß wir sie überwinden. Mit vieler Mühe und Arbeit, unter Schweiß und Hitze haben wir unser Hab und Gut erworben, deshalb glaubet fest, Gott wird uns nicht verlassen und in die Hände unsrer Feinde fallen lassen!« Nach dieser Ermunterung hieß es vorwärtsmarschiren. Auch ich betete ernstlich zum HErrn, daß er alle meine Sünde und Vergehungen verzeihen und mich aus den Händen der Feinde erretten möchte. Der Allmächtige erhörte mein schwaches Gebet, die Räuber fürchteten sich und flüchteten.; Ich durfte erfahren, daß der HErr seine Verheißung an mir erfüllt hat: »Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!« Wenn ich so meine Erlebnisse und den vielen Jammer und Noth überblicke, so muß ich mit dem seligen Dichter ausrufen: »Endlich, endlich muß es doch Mit der Noth ein Ende nehmen; Endlich bricht das harte Joch, Endlich schwindet Angst und Grämen; Endlich muß der Kummerstein :: Auch in Gold verwandelt sein.