Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 3-4 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Sprache vorgclese». Des Oeftercn versuchten Juden diese Gottesdienste zu störe», andere dagegen schenkten dein gepredigten Worte aufmerksames Gehör. Während der Woche wird der letzterwähnte Saal auch als Lesezimmer benutzt und daselbst Unterricht an Taust kandidaten ertheilt. Freitag Abends hält Prediger Freshman in seinem Hause eine gut besuchte Gebetsstunde ab. Auch zwei Sonntagsschulcn sind eingerichtet worden, die neben den christlichen mehrere jüdische Kinder zählen. An allen 5 Dczembersonntagen fanden Taufen von Juden in den Bersammlungssälen statt. Traktate und Schriften sind in großer Zahl vcrtheilt worden. Drei MissionSgchilfen unterstützen Freshman in seinem Werke, Samuel Cohen, I. W. Schwartzmann und Jsmar I. Pieritz, alle drei sind Proselyten. Samuel Cohen erzählt von sich selbst: „Ich bin in Deutschland geboren, lebte aber Jahre lang in Rußland. Meine Eltern hielten fest am jüdischen Glauben. Mein Vater sandte mich zu einem Rabbi in den Unterricht; bei demselben erlernte ich das Hebräische und gewann manche jüdische Kenntnisse. Nachdem ich mit 13 Jahren Barmizvah (konfirmirt) geworden war, traf ich einmal einen Kolporteur in unserer Stadt, der mir ein hebräisches Neues Testament gab, das ich auch annahm und las, worüber mein Vater sehr böse wurde. Später verließ ich das elterliche Haus, reiste durch verschiedene Tyeile der Welt und kam auch in die Türkei. Von dort begab ich mich nach Jerusalem, wo ein Oheinr von mir wohnte. Dort besuchte ich den Missionar Friedländer, in dessen Versammlungen ich ging, und der mich auch unterrichtete. Mein Oheim bewachte mich, und als er bemerkte, daß ich zum Missionar ging, gab er mir 200 türkische Thaler mit den Worten: »Du mußt Jerusalem verlassen.« Ich frug ihn: »Wohin soll ich gehen?« Er antwortete mir: »Wohin du gehst, das kümmert mich nicht, in jedem Falle mußt du Jerusalem verlassen.« So verließ ich die heilige Stadt und ging nach Paris, konnte dort aber keine Ruhe für meine Seele finden. Ich lebte unter den Juden und arbeitete für sie, aber der heilige Geist klopfte an mein Herz, und der HErr führte mich zu dem Judenmissionar der Stadt. Derselbe sandte mich nach London. Dort fand ich Arbeit unter den Juden, verkehrte aber gleichzeitig mit Proselyten und besuchte Di'. Sterns Bibelstunden.