Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 11-12 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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165 Ähre Schrift gelesen,« sagte er, »und stimme mit ihr überein; obwohl selbst Jude, bekenne ich, die jüdische Religion hat kein Leben in sich. Der größere Theil der Juden ist in Materialismus versunken, und die Moralität, welche die übrigen predigen, kann ihnen nicht helfen. Ich bin ein alter Mann und gehe selten in die Synagoge; doch glaube ich an einen lebendigen, persönlichen Gott und glaube auch, daß der Allmächtige als Fleisch gewordener Gott auf Erden erscheinen kann, um die Welt von ihrer Sünde durch sein Leben und seine Lehre zu erlösen. Ich kann auch glauben, daß Jesus von Nazareth der Messias war, die Schwierigkeit aber, die für mich besteht, ist die Dreieinigkeit.« Ueber diese nun handelte das weitere Gespräch, welches mit jenem oben genannten Bekenntniß endete. Nothzeiten insbesondere überführen so manches jüdische Gemüth und Herz, daß es in seinem Glauben keinen wahren Halt und Trost zu finden vermag. Eines Tages trat eine jüdische Dame in das Haus des Missionars Bachert in Hamburg ein und hinterließ ihm, als sie ihn nicht vorfand, eine Karte: »Mein Mann ist sehr krank und hat oft nach Ihnen gefragt; bitte, besuchen Sie ihn doch ohne Verzug.« Nächsten Tages eilte der Missionar dorthin, und als er cintrat, streckte ihm ein alter Jude seine Hände entgegen und rief ihm zu: »Ich freue mich so sehr, Sie zu sehen, wie freundlich ist es von Ihnen, daß Sie kommen!« Der Missionar aber legte dem Kranken alsdann den ganzen Heilswcg dar und derselbe lauschte still seinen Worten. Dem Missionar Adler in Amsterdam bekannte ein jüdischer Arzt frcimüthig, daß allein der Glaube an Christum das dunkle Thal des Todes erhellen kann. Derselbe wohnt in einer Gegend der Stadt, wo viele fromme Christen aus den geringeren Ständen leben, und hat bei seinen Besuchen an den Kranken- und Sterbebetten die Kraft des Glaubens erfahren. Seine Frau starb vor etlichen Jahren als eine verborgene Gläubige und gestattete in ihren letzten Stunden Niemand, ihrem Bette zu nahen, als einer christlichen Pflegerin, die ihr bis zuletzt das Neue Testament vorlas. Einen eigenthümlichen Eindruck empfingen viele der aus Rußland flüchtenden oder auswanderndeu Juden, wenn ihnen auf ihrem Wege die Mission entgegentrat, um ihnen die Botschaft des Friedens mit ans ihre Wanderschaft zu geben. Thatsachc aber ist es, daß