Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 9-10 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Testament fleißig. 25 Juden, Erwachsene, lernen in einer Abendschule lesen und schreiben bei Missionar Oczeret. Im Missionshospital ist ein jüdischer Invalide getauft worden. Fälle der Verfolgung kommen immer noch vor. Ein junger Mann, der auf der Gesundheitsstation arbeitet, ging in ein jüdisches Bad, was freilich höchst unklug war, da er in Jerusalem wohl bekannt ist. Kaum im Bade angelangt, war er von Männern umgeben, die ihn herausschleppten und den Händen zweier der stärksten unter ihnen übergaben. Dann nöthigten sie ihm das Versprechen ab, nicht auf die Station zurückzukehren, und indem sie ihm erklärten, er sei getauft, obwohl er dies doch gar nicht war, zählten sie ihm 40 Streiche weniger einen auf. Dann sollte er in kochendes Wasser, um von der Taufe gereinigt zu werden, getaucht werden; doch begnügte man sich hernach auf Grund eines menschlicher Gesinnten damit, ihn noch einmal nach jüdischem Gebrauch zu taufen. Die beiden handfesten Juden sollten ihn hierauf bewachen, aber es gelang ihm, denselben zu entfliehen, und so kam er wieder auf die Station, wagt sich jetzt aber kaum aus derselben heraus. Die jüdischen Blätter sind außer sich. Eins derselben schreibt: »Die jüdischen Flüchtlinge, welche sich zu unserem Unglück in dem Netze der Seelenfänger haben fange» lassen, verharren noch in Hartnäckigkeit. Nur wenige derselben ihnen zu entreißen, ist Herrn Nissim Bochar gelungen, indem er den Leuten entweder Arbeit gab oder sie in ihre Heimath zurücksandte. Die Kosten der Zurücksendung beliefen sich bis jetzt auf 4800 Mk. In letzter Woche verließ der Hauptseelenfänger (Missionar Friedländer) Jerusalem, um nach London zu gehen. Am Abend zuvor hatte er eine große Versammlung der Flüchtlinge in.seinem Hause und theilte ihnen seine Absicht mit, auf dieser Reise die Errichtung von Kolonieen für sie zu betreiben. So lautete sein Versprechen, wir aber wissen, welchen Zweck es eigentlich mit seiner Hilfeleistung hat. Selbst jetzt, wo diese Flüchtlinge in Jerusalem arbeiten und von ihren jüdischen Nachbarn umringt sind, liegen sie in den Krallen der Missionare gefangen; wievielmehr wird das der Fall sein, wenn sie von der Stadt und ihren Freunden entfernt sind. Allerdings, die Israelitische Allianz hat ein gutes Stück Geld eingesandt, um diese Unglücklichen in ihr Land zurück-