Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 9-10 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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141 und noch anderer Leute und mich darüber in Bollweiler und Hcggcncn beklagt. Ich habe aber nicht können dagegen streiten, die göttliche Kraft hat die Vernunft zu Schanden gemacht, daß ich habe meinen Gott und König Messias müssen annehmen. Nachdem erst habe ich gefunden, daß in seinem lieben Worte steht, er werde so kommen, wie er mir erschienen. Also ist das Wort zum Zengniß für die liebreiche Erscheinung geworden, und die Erscheinung zum Zengniß für sein liebes Wort. So hat das Wort die kräftige Erscheinung befestigt und bekräftigt, und habe die Gewißheit bekommen, daß die große Kraft, welche mich so mächtig angefaßt hat, eine göttliche Kraft ist, und habe sie mit Dank angenommen. Der HErr wolle mich dadurch recht klein, niedrig und demüthig machen. Wie er mir aus den Augen gekommen, bin ich aufgewacht und schwach gewesen, da mir etwas einigermaßen wie eine Rcgenbogengestalt vor den Augen war. Ich habe zu nur selbst gesagt: „Was ist das?" und bin aufgestanden, habe ihn angebetct und beschlossen, des Morgens früh wolle ich von den Juden Weggehen und ein Christ werden. Die gemeldete Schwachheit ist groß gewesen in allen Gliedern länger als acht Tage. Nun ist die Schale vom Kerne vorgestcüt, die Sache selbst muß das Herz empfinden. Wenn ich in Traurigkeit stehe, so ist bei mir selbst nur das Wissen, und das Wissen ist nicht das Ganze, sondern die Empfindung des Herzens. Des Morgens hat die Natur angefangen zu streiten, und ich habe dies verschweigen wollen und gedacht: Ich will bei den Juden bleiben und will Juden zu dem wahren inneren Herzenslebcn führen; ich will sehen, daß ich Juden zu Juden mache. Ich habe auch eine kräftige Büßpredigt in der neuen Schule zu Zellwyler im Elsaß darauf gethan und den Juden ihren Fall im jüdischen Glauben vorgestellt, welches bei einigen Frucht geben zu wollen schien. Zu Zeiten hat mich der Anblick des Gesichts überfallen im Geist, daß ich den HErr» Jesum Christum angebetet habe, zu Zeiten hätte ich es gerne wieder vergessen. Es hat bei drei Wochen meine Vernunft allerhand Auswege suchen wollen. Wenn die Gnade mein Herz verlassen hätte, ich glaube, ich wäre wieder davongegangen, oder hätte das so neben mir stehen lassen.