Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 9-10 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Juden, sie waren mild gegen Arme und haben öfters gefastet und Hunger gelitten, während sie Armen Kost und Nahrung gaben. Als seine Mutter mit ihm schwanger ging, träumte ihr, sic werde einen Sohn bekommen, der im Gesetze studiren und einen großen Namen erlangen würde. Dafür, daß sie diesen Traum erzählte, mußten sie und ihr Sohn bis zum 20. Jahre vielen Spott auöstehen. Im ledigen Stande lebte Jachiel wie andere Jünglinge im Leichtsinn fort. Er lernte die Rechenkunst aus seinem eigenen Kopse ohne weiteren Unterricht, als daß er die Ziffern kennen lernte, so zwar, daß er nicht allein die vier Spezies, sondern auch die schwersten Bruchrechnungen machen konnte; auch selbst Kubika, von welchen man ihm nur eine kleine Weisung machte, waren ihm nicht zu schwer, wiewohl er den verschiedenen Rechnungen nicht einmal den Namen oder Titel geben konnte. Im 20. Jahre seines Alters verheirathete er sich mit Frommet Wolf aus Wangen am Untersee und wohnte mit ihr zu Buchau. Drei Jahre darauf hatte Jachiel das Nachtquartier bei einem frommen Rabbi in Frankfurt a. M. Dieser hielt ihm seine besonderen, von Gott empfangenen Gaben vor und ermahnte ihn, solche für Gott und zur Ausübung seines Willens anzuwenden, mit dem Zusatz, daß es ihm sonst zu seiner Zeit vor Gottes Gericht viel härter als einem Andern ergehen werde. Diesem dachte Jachiel nach und faßte den Entschluß, sich im Gesetze Gottes zu üben, dem göttlichen Willen nachzuforschen und ihn zu thun. Er wollte sich von Rabbi Scholcm unterrichten lassen, konnte aber von ihm nichts lernen, von einem andern genoß er einigen Unterricht, aber sehr wenig. Er entschloß sich darauf, auS sich selbst zu lernen und Gott um seine Gnade und Beistand zu bitten, das sei ihm denn auch ziemlich gelungen. In dieser Zeit befiel ihn eine große Reue über seine Sünden, und er hat Gott mit großes Bewegung seines Herzens um Vergebung gebeten, seinen Leib aber mit Baden im kalten Wasser und Fasten sehr geplagt. Seine Begierde war, sich ganz dem Dienste Gottes zu weihen. Da er aber durch sei» Handelsgeschäft, obgleich seine fromme Mutter ihm in der Besorgung seines Hausstandes sehr half, Hinderniß hatte, beschloß er, sich drei Jahre lang in