Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 7-8 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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105 dagegen: «Er hat das Gesetz nicht abschaffen, sondern erfüllen wollen, nnd das hat er auch treulich und pünktlich gethan. David weissaget von ihm Psalm 40, 7. 8: Opfer und Spcisopfer gefallen dir nicht, aber die Ohren hast du mir aufgethan. Du willst weder Brandopfcr noch Sündopfer. Da sprach ich: Siehe, ich komme, im Buche ist von mir geschrieben, im Buche des Gesetzes, in allen 5 Büchern, hauptsächlich aber im 3. Buch Moses, wo alle Schlachtungen eine Abbildung seines heiligen Leidens und Sterbens waren, und im Propheten Iesaia 53, wo es sonnenklar vor Augen liegt, wie er sich im ewigen Geist Gott geopfert und durch seine Wunden Heilung verschafft hat. Der Rabbi wollte Iesaia 53 nicht vom Messias gelten lassen, sondern vom Volk Israel. Aber es wurde ihm Wort für Wort bewiesen. »Man findet auch gleich im Anfänge eine Klage des Propheten über die Halsstarrigkeit und den Unglauben der damaligen Juden. Wer glaubt unserer Predigt? so muß ich leider auch klagen, ja ich möchte bitterlich weinen und laut jammern. Wer glaubt, daß der Messias schon vor 1700 Jahren gekommen? Wer glaubt es doch, daß er sein Leben zum Schuldopfcr gegeben und eine ewige Erlösung gestiftet hat? Wer glaubt cs, daß er die Sünder «»nimmt und alles selig macht, was weinend, betend und gläubig zu ihm kommt?« Der Rabbi antwortete: »Und wenn gleich Gott jetzt vom Himmel herunterkäme und wollte mich etwas Anderes lehren, als was im Gesetz steht, so würde ich es doch nicht glauben.« Meuter bezeugte ihm darauf: »Ja, das ist der größte Grad der Widerspänstigkeit und Halsstarrigkeit. So war auch Pharao gesinnt, er sah Zeichen und Wunder und die Macht Gottes, und doch verstockte er sein Herz. Die Rache schlief aber auch nicht. Er wurde ersäuft im Meer, da es am tiefsten war. Dies ist das Thcil der Ungläubigen. Und Er, mein guter Rabbi, glaubt Gott nicht und hört seine Stimme nicht; aus seinem Worte macht Er sich nichts; ob Er dasselbe verstehen lernt oder nicht, daran ist Ihm nichts gelegen. Wozu hilft Ihm die buchstäbliche Erkenntniß, zumal Er das Wort Gottes falsch auslegt? Wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet.« Dem Rabbi wurde unter diesen Worten unheimlich zu Muthe, und er entfernte sich. Sturm und Regen trieben M. einmal in Plotzheim bei Basel