Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 7-8 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554876-2554881--08033-2564054- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
103 zertreten würde, abgebildet in den Opfern, vor die Augen gemalt durch die Propheten, lieblich besungen durch die Dichter in Israel. Er war der Trost und das Verlangen der Völker. Sie haben an ihn als den kommenden Messias geglaubt und ihn geliebt und sind selig entschlafen, um ihn dort ewig lieben und anbeten zu können. Wohl denen, die ihre Hoffnung ans ihn setzen! Euch Juden fehlt nichts als nur der Mann, der in Israel umhergezogen ist und wohlgethan und allerlei Plagen und Seuchen geheilt und aus Liebe zur Versöhnung der Seelen mit Gott sein heiliges, verdienstvolles Leben am Kreuze Gott geopfert hat, damit wir als Errettete aus der Hand unserer Feinde und des Todes ewig bei Gott leben möchten.« Sie waren bei diesen und anderen Reden nicht ungerührt geblieben, fügt M. hinzu. 1768 war er in Volmcrtz in der Synagoge. Man las die Lektion aus 5. Mose 27 und 28 vom Segen und Fluch. Gegen das Ende des Gottesdienstes äußerte M.: »Das war eine harte Lektion; wer kann sie hören und thun? Und doch heißt es: Verflucht sei, wer nicht hält alle Worte. Wie wollt ihr hier bestehn?« Die Juden antworteten, daß sie so viel hielten, als sie könnten. »Ihr sollt aber nach dieser Lektion alle Worte dieses Gesetzes halten und nicht nur so viel, als ihr nach eurer Meinung könnt.« Die Juden wendeten ein, was der Eine nicht halte, erfülle der Andere, und auf diese Art halte ganz Israel zusammengenommen das Gesetz. M. wies sie darauf hin, daß nicht geschrieben stände: »Ihr sollt halten«, sondern »du sollst halten; welcher unter euch nicht hält alle Worte des Gesetzes, der ist verflucht.« Und die Anwesenden verstummten. Unter einer Schaar voll Juden in Fcllheim stehend, deren Rabbi Simeon hieß, dessen Namen »hören und aufmerken« bedeutet, rief er ihnen zu, daß er nach Richter 9, 7 ihnen etwas zu sagen habe. »Höret mich, ihr Männer zu Fellheim, und du Rabbi, daß euch Gott auch höre.« »Was denn?« entgegnetc Jener. »Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten? Ist der Herr Gott, so wandelt ihm nach; ist es aber Baal, so wandelt ihm nach.« »Und worauf geht das?« frug da der Rabbi. »Auf euch und euer Volk. Ihr seid die hinkenden Leute!« »Wir sind nicht solche Leute!« versetzte der Rabbi. Aber Ni. fuhr fort: »Bald heißt es bei euch, der Messias ist gekommen, er hält sich nur verborgen unter den Pforten zu Rom ans.