Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 5-6 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Errichtung der Mission im Königreich Polen 120 Juden daselbst in die christliche Kirche ausgenommen worden seien. In den Nachrichten dcs Jahres 1845 wird die Zahl der bis zum Oktober 1844 Getauften auf 194 angegeben; im Jahre 1843 allein hatte sie 15 betragen. Die von Missionar West geleitete Proselytenanstalt beschäftigte im genannten Jahre 28 Personen mit Buchbinden und Buchdrucken. Bei der Auflösung der Mission im Jahre 1855 hatte nach 33 jähriger Arbeit die Zahl der durch die Arbeit derselben der christlichen Kirche zugeführten Juden die Höhe von 361 Personen erreicht. Da, am 22. Dezember 1854, wurde den Missionaren eröffnet, daß sie auf kaiserlichen Befehl binnen Kurzem das Land zu verlassen und augenblicklich ihre Arbeit einzustellen hätten. Was der Revolution und der Cholera nicht gelungen war, gelang den Feinden der Mission: die Vertreibung ihrer Arbeiter. Becker mußte in aller Eile seine Privatwohnung und den größten Theil des Inventars veräußern, natürlich konnte dies nur mit schwerem Verlust geschehen. Aber seine Sorge war vor Allem, daß der geistliche Segen der Mission nicht auf einmal vernichtet würde. Deshalb wurden Bibeln, namentlich Neue Testamente und andere christliche Schriften, zuverlässigen Personen zur Vertheilung übergeben. Am 8. Februar 1855 aber erfolgte die Abreise der letzten Missionsfamilien Becker und West. Auf dem Bahnhof fand »ein herzzerreißender Auftritt« statt. Schaaren von Leuten aller Klassen, Juden und Proselhten, Protestanten und Katholiken, auch Glieder der griechischen Kirche, ferner die näheren Freunde der Scheidenden hatten sich hier versammelt. Die Missionare hörten selbst unter den Inden auch nicht ein Wort des Frohlockens über ihre Vertreibung, sondern zogen unter herzlichen Segenswünschen vieler derselben von dannen. Fortan wurde Becker als Arbeitsstätte Hamburg angewiesen. Der Mission standen hier aber weit mehr Hindernisse entgegen als in Polen. Von Theilnahme der Christen für dieselbe war fast nicht die Rede, und die Juden durch die Sorge um das Irdische so hingenommen, daß sie sich sehr wenig zugänglich bewiesen. Dennoch ging Becker ihnen mit großer Treue nach und nicht in Hamburg allein, sondern auch in Schleswig-Holstein, Hannover, Braunschwcig und Mecklenburg. Den Aeußerungen des