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Dibre Emeth · 1883-01-01 · 3-4 (1883) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
39 (1883)
Issue
3-4 (1883)
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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34 nehmen mußten. Da hatten wir keinen Spiegel zur Toilette nöthig, und mit dem Wasser mußten wir sehr sparsam umgehn. Als wir endlich in Gellabat (Metlüma) augekommen waren, mußten wir noch lauge harren, bis der König Theodorus uns erlaubte, hinauf nach Abessinien zu ziehen. Mehr als ein Jahr lebten wir im Zelt oder in niedrigen Strohhütten, in denen zur Regenzeit das Wasser wie durch einen Sieb herunterkam, und wir über dem Bett den Regenschirm aufspannen mußten. Da hätte sich der Spiegel gewiß sehr erniedrigt gefühlt. Doch endlich schlug die Stunde, wo ihm in einem mäßig großen Strohhausc sein Ehrenplatz über dem kleinen Harmonium angewiesen wurde. Die Goldrahmc» paßten eigentlich auch nicht zu dem Hause. Außer der Thür gab es nur noch eine kleine viereckige Oeffnung, mit Mull bespannt, die mir das nöthige Licht zum Nähen gewährte. Unter unfern Füßen hatten wir Mutter Erde nnverkünstelt, allein mit einer Palmblättermatte belegt. Doch hatte der Fußboden den Vortheil, daß er weder gefegt noch geölt werden mußte. Wem wäre cs auch eingefallen, auf den Boden zu sehen! Wer kam, lief vielmehr auf den Spiegel zu. Das war ein Verwundern bei Jungen und Alten, wenn sie »ihre ganze Menschheit« (Kopf und Schultern) sehen konnten. Manche fühlten sich sehr getäuscht über ihr Konterfei — Andere geschmeichelt; aber es war so drollig, daß sie Alles offen sagten. Viele Besuche erhielten wir allein wegen des Spiegels, und ich war damals oft betrübt, daß ich noch nicht mit den Leuten reden konnte. Bald aber hieß es: »Freude wechselt hier mit Leid!« Eines Morgens kam Schetjc, unser Diener, mit Thrünen in den Augen: »O es kommt eine Trübsal, ich habe im Traum heute Nacht den Spiegel zerbrochen gesehen!« Wir trösteten ihn, cs sei ja nur ein Traum. — Doch die trübe Ahnung wurde bald wahr; kurze Zeit darauf erkrankte unser Erstgeborener und starb nach drei Tagen. Mit welchem Entzücken hatte der Kleine sich oft im Spiegel beschaut! Jetzt gab es traurige und trübe Tage, in denen fast Niemand den Spiegel eines Blickes würdigte. Doch sandle der Herr dann auch einen Balsam aus Gilead. Er segnete um jene Zeit die Verkündigung seines Wortes, daß eine große Bewegung unter den Falaschas entstand. Es mußte ein größeres Haus ge-

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