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Dibre Emeth · 1883-01-01 · 1-2 (1883) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
39 (1883)
Issue
1-2 (1883)
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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30 Das in Konstantinopel begonnene religiöse Forschen wurde während der weiteren Reise nach England fortgesetzt. Bald nach der Landung fand er Zutritt bei Ridley-Herschcl, dem Vater des gegenwärtigen General-Prokurators, der ihm viel Freundlichkeit erwies. Die Entscheidung aber führte das 53. Kapitel Jesaia herbei. Dies Kapitel war ihm stets ein Räthscl gewesen; cs hatte ihn gefesselt, aber er konnte cs nicht verstehen; setzt hingegen erblickte er auf einmal, wie in einem Gesichte, Jesum von Nazareth in demselben. Die Wahrheit dämmerte nicht allmählich in ihm ans, sondern ergriff ihn plötzlich mit einer Klarheit und Gewißheit, die keinen Zweifel übrig ließ. Sogleich ergab er sich daher auch, und das völlig, dem Erlöser Israels. Kein Dunkel blieb in seinem Verständnisse mehr zurück. Aber nicht blos eine Bekehrung des Verstandes hatte stattgcfunden, sondern sein ganzes Wesen war von heiliger Gluth und Freude entzündet. Sofort begann er Briefe an seine Freunde zu schreiben, denen er seine neuen Erfahrungen mittheilte und die er für den Glauben an Jesum zu gewinnen suchte. Er bekannte Jesum in der Taufe. Nun begann er in der Sonntagsschule zu unterrichten, studirte mit großer Selbständigkeit die Bibel und predigte auch, wenn sich die Gelegenheit hierzu bot. Kurz darauf verheirathete er sich und ließ sich als Missionar unter den Ausländern in Liverpool anstellen, zu welchem Amte ihn seine ansgebreitete Sprachcnkenntniß sehr geschickt machte. Ein Jahr arbeitete er so, kam jedoch allmählich zu der Ueberzeugung, daß er dieses Werk nicht fortsctzen könne, nicht, weil er dasselbe nicht lieb hatte, sondern hauptsächlich, weil er Manchem begegnete, der zu ihm sagte: «Sie sind ein Jude, der für diese Arbeit bezahlt wird und mit seiner Bekehrung ein gutes Geschäft gemacht hat!« Er entschloß sich also, sich seinen Lebensunterhalt auf unabhängigere Weise zu erwerben, und dann christliche Arbeit ohne jeden Entgelt zu thun, ein Entschluß, von dem er bis zu seinem Tode nie abwich. Demgemäß trat er in ein Geschäft ein, trieb aber des Morgens und Abends Rechtsstudien und wurde 1858 zur Advokatur zngelassen. Während seiner ganzen Laufbahn als Advokat befolgte er den Grundsatz, sich mit keiner Sache zu befassen, die er nicht im Gewissen für eine gute hielt. Wenn er darüber Manchen, welcher seinen Rechtsbeistand erbeten hatte, verlor, so hat er doch seine Handlungsweise nie bereut.

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