Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 1-2 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Dieses Stück Antisemitismus gehört zu den besonderen Schäden der gläubigen Christen in Deutschland und dem ganzen Osten. Daher ist es auch gekommen, und daher geschieht es noch fort und fort, daß sich so wenige Hände nuferer Gläubigen regen, die Schuld der Liebe, welche Seelen retten will, dem HErrn an den Juden zu zahlen. Die Jndcnfrage wäre nicht so verderblich für uns geworden, wenn auch nur die Gläubigen an ihre christliche Pflicht den Juden gegenüber gedacht und sich dieselbe zu erfüllen gemüht hätten. Leider scheint die Kirche hier fast zu schlafen. Sie, die doch die Verantwortung für das Heil der Christen und der Juden trägt, schweigt. Sie bezeugt den christlichen Gemeinden weder, daß sie ihr Christenthum auch verderblichem jüdischen Einfluß gegenüber bewahren, und daß sie das Gericht, welches in diesem Einflüsse zu Tage tritt, als ein selbstverschuldetes erkennen, noch daß sie sich deshalb mit Buße zu Gott wenden und die so lange vernachlässigte Pflicht christlicher Glaubens- und LiebcSarbeit an den Inden aufnchmen sollen. Wie will sie dies verantworten! Als eine Gewissensmahnung richtet sich deshalb dieses Wort zuerst an die Christen, welche dasselbe lesen. Im Innersten wird ihnen der heilige Geist bezeugen, daß nichts von ihnen verlangt worden ist, als was der HErr von ihnen fordert. Möglich, daß für einen Augenblick sich Jemand hinter der »Verstockung der Juden« verschanzt; aber derselbe sei alsdann daran erinnert, daß der Apostel, welcher die ernste Thatsache der Verstockung des Volkes Israel in der christlichen Völkerzeit verkündigt, unmittelbar darauf den Schluß zieht, daß er »ihrer etliche reizen wolle, selig zu werden«, daß derselbe Paulus das Evangelium »eine Kraft Gottes, die Juden selig zu machen«, nennt, und daß er nicht die Verstockung, sondern hgs »Seligwerden von ganz Israel« als das Letzte für das Volk kennt und fröhlich festhält. So reichen sich bei Paulus, bei unserm Völkerapostel also, der Ernst und die Barmherzigkeit den Juden gegenüber die Hand; so ist er aber auch dahin gelangt, daß nicht die Juden ihn überwanden, sondern daß er der Sieger blieb, und sie ihm helfen mußten, den letzten, höchsten Zweck seiner Tage zu erreichen, das Evangelium in der Welthauptstadt Rom selbst aufzurichten und damit dasselbe zu seinem Triumphe zu führen. Geht aber die Fülle der Heiden