Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 1-2 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 dem jüdischen, als wenn es sich dem blos deutschen Geiste ergibt. Jeder Volksgeist ist von Hause aus unheilig und nur im heiligen Geiste findet er die Macht, sich des ungöttlichen Wesens, das er in sich selbst trägt, zu erwehren. Die Antisemiten aber empfehlen es uns gerade, die Hilfe allein in dem Geiste unserer Rassen zu suchen und uns also von der Herrschaft des heiligen Geistes losznrcißen, um damit unfehlbar in unser Verderben zu stürzen. Der heilige Geist und der christliche Geist treiben jedes Volk, seine ihm von Gott verliehene Eigenart sorgfältig zu bewahren und das Pfund derselben nicht auf die Straße zu werfen; aber jener Geist aus Gott verhindert es, daß man mit der Eigenart Götzendienst treibt und sic feindselig gegen Andere in's Feld führt. .Der heilige Geist treibt im Gegeuthcil die Seinen, gern mit dem Eigenen Andern zu dienen und ihr Bestes zu schaffen. Der heilige Geist bezeugt es Allen, daß sie nur Glieder an einem Leibe sind, daß die Glieder aber zusammengehören, daß jedes Glied freilich seine Stellung behalten muß, daß aber ein jegliches die andern mitzupflcgen hat, und daß die gesunden Glieder die Genesung der Kranken fördern, nicht aber ihre Lostrennung vom gemeinsamen Leibe verlangen sollen. Wem von unfern Antisemiten kommt es dagegen auch nur von ferne in den Sinn, das Beste der Juden schaffen zu wollen? Allein an sich selbst und an ihr Volk denken sie, nicht im Mindesten an die Juden. Jene halten es für ganz genug, wenn sie die Juden nicht gerade hassen, aber der Gedanke tritt gar nicht in ihre Seele und in ihr Gewissen, daß sie eine heilige Pflicht an den Juden auch an ihrem Theile zn erfüllen hätten. Sie wollen lediglich die eigene Nationalität und dies noch dazu in höchst unheiliger Weise pflegen. Leuten dieser Art die Hand reichen, heißt daher nur, die Feinde unsers christlichen Volkswesens stärken. Viele treue Gottesmänner in Deutschland und in andern Christenländern, besonders ein Spener, haben es den Christen gar eindringlich zugerufen, daß Gott die Juden in unserer Mitte habe Wohnung machen heißen, damit wir eine heilige Aufgabe an ihnen ausrichten. Dabei hat ein Spener nicht gemeint, daß unsere Völker den Juden zu Liebe aufhören sollten, christliche Völker und Staaten zu bilden, sondern gerade im Gegentheil hat er aus dem christlichen Charakter beider die Folgerung gezogen, daß sie ei» verantwort-