Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 11-12 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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169 Juden in Deutschland, Ungarn und Rumänien tragen alle dazu bei, daß ihnen das Gefühl, in Ruhe unter den Völkern wohnen zu können, allmälig etwas verloren geht. Es war ein Wahn, dem sich die Juden nun etwa ein Jahrhundert hindurch dahingegebeu haben, als werde ihnen die Gewährung des allgemeinen Bürgerrechtes unter den Völkern den Frieden bringen. Christen wie Inden haben eine Zeit lang geglaubt, daß sie zusammen eine einheitliche Ration bilden könnten. Die christlichen Völker haben auch das Möglichste gethan, mit diesen Gedanken in's Leben zu setzen. Die Inden haben dann wohl von der neuen Lage der Dinge den möglichsten Bortheil zu ziehen gesucht oder zum Theil selbst gemeint, daß sie vollständig mit der Ration, deren Namen sie nun auch ihrerseits annahmen, verschmelzen könnten; aber je länger je mehr hat es sich herausgestellt, daß in ihrer Religion das Verbleiben bei dem eigenen Stamm, und der eigenen Rasse das Hauptstück geworden ist. Wirklich vereinigende Glaubensüberzeugungen religiöser Art besitzt das Judcuthum der emaneipirten Juden nicht mehr, und das einzig die Juden vereinigende Baud ist in der Thnt nur noch der gemeinsame Stamm, die gemeinsame Rasse geblieben. So geschieht es nun aber durch eine ganz natürliche Folge, daß ihre Umgebung auch immermehr den Rassenstaudpnukt, den sie selbst erwählt haben, gegen sie herauskehrt. ES ist ganz ungerecht, wenn sich die Inden der Emancipation hierüber beklagen; denn sie selbst haben ihre Rasse als das Allerheiligste ihnen gegenüber behandelt und so die Anderen thatsächlich nur herausgefordert, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Je mehr nun die antisemitische Bewegung zunimmt, desto mehr werden die Inden selbst dazu gedrängt, jene Gedanken, als ob die modernen Grundsätze ihnen Frieden und Heil versprächen, fahren zu lassen. Die große Masse unter ihnen sträubt sich freilich noch hiergegen, aber sichtbar wächst doch bereits auch unter ihnen die Zahl derjenigen, welche sich den Ernst ihrer Heimathslvsigkeit unter den Völkern eingestehcn. Das treibt sie in der Regel freilich zunächst nur zu desto festerem Anschluß an ihre eigene Rasse und zu desto eifrigerem Zusammenhalten unter einander; das bahnt aber der Zukunft so gewiß den Weg, als sich der religiöse Sinn schließlich an dem .Kultus der Rasse nicht genügen lassen kann.