Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 11-12 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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167 seid, ich will euch erquicken!« Das Neue Testament wurde gekauft, und die Kinder fingen sogleich in demselben zu lesen an. Vor dem Missionar Flad ließen jüdische Mütter sogar selbst ihre Kinder Sprüche des Neuen Testaments, welche sie auswendig gelernt hatten, anfsagen, und so manche der bekanntesten Stellen des Neuen Testaments, das Vaterunser, Liedcrverse und christliche Gebete waren ihr sicherer Besitz. In Königsberg meldete sich bei einem trefflichen Geistlichen ein etwa 20 jähriges jüdisches Mädchen nnd bat um den Taufnnterricht. Da der Prediger sie frug, wie sie zu diesem Entschlüsse gekommen sei, antwortete sie, daß sie eine christliche Schule besucht und dort aus freien Stücken am christlichen Religionsunterricht theilgcnommen habe; dadurch sei sie von der Wahrheit des Christenthums überzeugt worden. Der Geistliche begann sie zu prüfen, um zu sehen, was sic in der Schule gelernt habe, und fand zu seinem Erstaunen, »daß niemals die beste der von ihm selbst unterrichteten Koufirinandinnen eine genauere und klarere Erkenntniß der seligmachenden Wahrheit Christi besessen habe«. Aber, was mehr war, die tiefe Bewegung und der Eifer, mit denen sie die Schriftsprüche anfsagte oder die hauptsächlichsten Punkte und Thatsachen im Leben Jesu beschrieb, bewiesen es, daß sie mehr aus Gründen des Herzens und Gewissens als des Kopfes und Verstandes die christliche Religion erwählen wollte. Der Geistliche sagte sich darum, daß er hier uicht länger zögern dürfe, und crtheilte ihr bald darauf die Taufe. Nach derselben verließ sie Königsberg, ziert ihr Bekenntniß nun aber auch mit einem rechtschaffenen Wandel. In Frankfurt a./M. hat Missionar Hefter einen jungen Talmudisten ans Rußland getauft, dessen Vater ein wohlhabender und frommer Jude ist, der seinen begabten Sohn in mehreren der besten Schulen hat unterrichten lassen. In einer derselben traf er mit einem jungen Menschen aus Wilna zusammen, der sich im Besitze eines hebräischen Neuen Testaments befand. Dasselbe lasen die beiden jungen Leute daun heimlich, und ohne Eindruck blieb dieses Lesen nicht. Da sie aber vom Alten Testament nur sehr wenig wußten, so war Alles im Neuen Testament für sie voller Dunkel. Unser junger Mann dachte also, daß, wenn er nur nach Wilna kommen könnte, er mehr Licht erlangen würde. Gegen diesen Plan war