Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 7-8 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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122 H der vorzüglich aus Opfer und Gebet bestand, dem nun das Abendmahl und der liturgische Gebetsdicust entsprachen. Wenn in der Apostelgeschichte erzählt wird, daß auch viele Priester gläubig geworden seien, so dürfen wir wohl annchme», daß diese es sich besonders angelegen sein ließen, dem christlichen Gottesdienste feste Form, Ordnung und Weihe zn geben. Verdankt cs so die Kirche den Judenchristen, daß sich der christliche Gottesdienst überall fast ganz gleichmäßig entwickelte, so verdankt sie ihnen aber auch den Geist fleißigen, anhaltenden Gebets, durch welchen sie sich so sehr auszeichnet. Durch sic wurde das Gebetsleben zu den Heidenchristen verpflanzt und zur allgemeinen christlichen Sitte gemacht. Ebenso aber war ein Vorzug der alten Kirche die herzliche opferwillige Bruderliebe und die völlige Hingabe der Person zum ausschließlichen Dienst Gottes und der Kirche. Und das Beispiel von Jndenchristcn wieder ist es gewesen, welches beides geweckt hat. Die Judeuchristcn haben also die Aufgabe herrlich gelöst, die Kirche Christi ins Leben und unter den Völkern einzuführen. Allerdings aber hatte das israelitische Element in der ersten Kirche auch seine Schattenseiten. Viele Judenchristen wollten keinen Unterschied zwischen Altem und Neuem Bund gelten lassen, sondern das ganze alte Judenthum sammt Beschneidung und Gesetz den Christen als zum Heil nöthig aufdrängen, und dazu kam noch ei» großer Nationalstolz dieser jüdischen Jrrlehrer. Dieselben brachten denn auch viel Unruhe, Aufregung und Verwirrung in die Kirchen, zumal sie oft persönliche und selbstsüchtige Absichten dabei hatten. Der Apostel Paulus mußte sie energisch bekämpfen. Aber sobald Jerusalem aufhörte, der Mittelpunkt und Sitz der Kirchenleitung zu sein, schwand auch der Einfluß und die Bedeutung der Judenchristen. Den Wendepunkt bildete die Zerstörung Jerusalems. Das jüdische Volk selbst aber sank, nachdem unter dem falschen Messias Bar Kochba die jüdisch-nationale Kraft zum letzten Male aufgeflammt und niedergeschlagen worden war, in geistige Erstarrung, und je mehr es den Haß bei sich selbst gegen das Christcnthmn schürte, um so weniger waren die Einzelnen noch fähig, die Wahrheit des christlichen Glaubens zu fassen. Seit der Zeit wurden die Uebertritte von Juden zum Christenthuin immer seltener, so daß das judenchristliche Element bald ganz aus der