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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 5-6 (1882) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
5-6 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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92 ändern, daß in dem mosaischen Gesetz das Verhalten des Israeliten gegen den Nichtisraelitcn nach einem andern Maß gemessen wird als das gegen den Volksgenossen. In dem talmudischen Recht werden daraus Rcchtöungleichheitösätze hcrgcleitet, wie z. B. daß man den Heiden Verlornes nicht wiederzugeben hat, welche, wenn sie festgehalten würden, den Inden von der Mitgliedschaft des auf das Humanitätsprinzip gebauten Rechtsstaates geradezu ausschließen würden. Jenes mosaische Gesetz ist eben noch nicht reines Menschheitsgesctz, sondern Gesetz für ein bevorzugtes und gegen die Heidenwelt abzupferchendes Volk. Rach 5. Mose 14, 21 f. soll z. B. Israel kein gefallenes (verrecktes) Vieh essen; dem Fremdling, der sich unter ihnen niedergelassen, mögen sie es geben, daß er es esse, und dem Nichtisraeliten mögen sie es verkaufen, denn „du bist ein heiliges Volk deinem Gott". Eine Religion, welche in dieser Weise die Heiligkeit eines Volkes wahrt, während sie die andern Völker als einer solchen Heiligkeit unbedürftig preisgiebt, kann unmöglich Wcltreligion werden. Israel war denn auch zu Höherem berufen, als daß cs ans seiner armen Vorstufe stehen bleibe. Als ein Weib mit einer Zwölfsternenkrone erblickt es der Seher der Offenbarung, Johannes, und sieht, wie es einen Sohn gebiert, der Israels Fleisch und Blut und zugleich Sohn Gottes ist, der sich dann selbst geopfert hat, um Israel und die Völker zu einer Heerde zu einen, und dessen Hirtenstab sich nur gegen die, welche sein sanftes Joch von sich stoßen, in ein Scepter von Eisen verwandelt. Eine Stimme, welche es zu diesem seinem Heilande ruft, will auch das hier in der Kürze mitgetheilte Zeugniß jenes altbewährten Freundes Israels sein. Er möchte cs vor dem eisernen Scepter des Gottessohnes bewahrt wissen, und dasselbe ist auch unser Herzensanliegen. Läßt sich Israel durch die Zeichen der Zeit, zu denen die wachsende Erregung gegen die Juden in den verschiedensten Ländern, und zu denen nun auch diese Kundgebung eines Mannes gehört, der eher zu mild als zu ernst mit Israel verkehrt, nicht warnen, dann werden sich die jetzt noch leisen Mahnungen Gottes zu immer gewaltigeren Gerichten umgcstalten, und vor denen möchten wir sie doch bewahrt wissen.

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