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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 5-6 (1882) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
5-6 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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86 Berlin an dieselben gehaltenen Ansprachen hat nun eben Professor Delitzsch als Brochüre herausgegeben. Besonders ergreifend sind hier die Mittheilungen über ein mit einem Inden in Gibraltar gehaltenes Gespräch, nach dessen Beendigung der jüdische Lehrer den christlichen Geistlichen auf beide Wangen küßte. Sommerville, der besonders auch die der Kirche und allem Glauben Entfremdeten gewinnen will, knüpft mit Vorliebe an die besseren Regungen in jeder Menschenbrust au. Den Juden gegenüber aber macht er die Gemeinschaft von Juden und Christen am Alten Testament geltend und sucht sie von dort aus zum Verständniß Christi zu führen. Phantasie und Gefühl durch seine lebhafte Darstellung auf gleiche Weise in Anspruch nehmend, zieht er die Hörenden mit sich fort, und Jsraelsfreunde werden wohl thun, die genannten Vorträge dieses Mannes unter Juden zu verbreiten; jedenfalls werden dieselben so manchen willig machen, alsdann auch weiter über die großen Fragen der Religion mit sich sprechen zu lassen. Anderer Art ist das zweite Schriftchen von Prof. Delitzsch, denn es gehört zu einer Gattung von Zeugnissen, die den ganzen Ernst des Evangeliums an den Tag legen, aber freilich ebenso nothwendig sind, wie diejenige», welche durch freundliche Zusprache gewinnen wollen. Der Titel desselben lautet: „Christenthum und jüdische Presse" (Erlangen, A. Deichert). „Treu gemeint sind des Liebenden Schlüge", mit diesem Worte aus den Sprüchen Salomonis 27, 6 leitet es seinen Inhalt ein. Und wenn ein Delitzsch den Juden gegenüber von Schlägen redet, so weiß man von vorn herein, daß ihm „von tiefster Seele jener Antisemitismus unsympathisch ist, welcher nur für die Schattenseiten des jüdischen Volkes offene Augen hat und nicht für dessen Tugenden". Ebenso entschieden aber erhebt er sich gegen jenen Antisemitismus, welcher die Vorgeschichte Israels in den Koth tritt; denn dieselbe ist ein gemeinschaftliches christliches und jüdisches Interesse. Aber freilich tritt man nun auch in der Synagoge die neutestamentliche Geschichte ebenso mit Füßen, und eben diese öffentliche Beschimpfung des Christenlhums kann Delitzsch nicht länger ohne öffentliches Gegenzeugniß hingehen lassen, „um nicht über seiner Liebe zu den Juden schließlich ein Judas an seinem HErrn zu werden". Abgedrungen ist ihm also diese Schrift.

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