Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 5-6 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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78 im Talmud vorliegt, zum Vorwurf gemacht, daß bei ihnen Süßes und Bitteres aus einem Brunnen floß. Wer den Sinn des Alten Testameutes in sich trägt, der kann sich eben deshalb auch nicht mit dem Talmud vertragen, sondern weist ihn als einen Verderber der Wahrheit Gottes und des Wahrheitssinnes im Menschen ab. Thatsächlich hat der Talmud denn auch den Juden hinsichtlich der Religion so schlechte Dienste erwiesen, daß sie ihn jetzt überall zu beseitigen anfangen. Vergeblich ist eben deshalb das Bemühen, durch „Lichtstrahlen aus demselben" die Herzen der Juden für ihn zurückerobern zu wollen, seine Zeit ist vorüber, er stirbt jetzt immer allgemeiner durch ein wohlverdientes Gericht in den Gewissen der Juden. Vom Talmud sind oder werden überall die Juden los. Aber was nun? Thatsächlich bleibt denselben, wenn sie wirklich noch eine Religion haben wollen, nichts anderes übrig, als Christen zu werden. Darüber möge sich auch Rabbiner Stern belehren lassen, und möge er mit vielen Gleichgesinnten unter seinen Volksgenossen die Frage eines ungenannt gebliebenen Juden hören: „Warum trete« mir nicht i« das Khristenthum ein?" Diese Frage wird nämlich von einem solchen in einer Schrift erhoben, die unter obigem Titel bei G. Wolf in Leipzig erschienen ist. Sie ist ein merkwürdiges Zeichen der Zeit und beweist, daß äußerlich wie innerlich der Boden, auf dem die Juden stehen, immer mehr erschüttert wird, und daß die Siegeszuversicht, mit welcher die Leiter des heutigen Israel dasselbe erfüllen möchten, einem Rausche gleicht, welchem früher oder später die Ernüchterung folgt. In zwölf Kapiteln versucht der Verfasser auf die Frage, welche er selbst gestellt hat, Antwort zu geben. Die heutige Judenbcwegung hat ihn dahin geführt, daß er ihren Gründen ernstlich nachzuforschen für geboten hält. Und weil er dies mit einem für die Wahrheit empfänglichen Sinn gethan hat, so ist er auch zu der Erkenntniß gelangt: „Das religiöse Moment der Judensrage bildet im Grunde doch ihren eigentlichen Kern und ihre letzte Instanz". Er fährt dann später fort: Sowohl die Eigenthümlichkeiten der Juden, als auch das gegen sie herrschende Gefühl der Entfremdung wurzeln in ihrer religiösen Sonderstellung. Der