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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 5-6 (1882) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
5-6 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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72 Nöthe und Aengste hindurch treu aus und diente, wo und wie er konnte, den gefesselten Missionaren. Einmal brachte er, da die Noth groß war, Frau Flad einen Strumpf voll Eier, Butter und Mehl, die er zusammcngebettelt hatte, für die hungernden Frauen und Kinder. Besonders liebreich nahm er sich der Kinder ans dem Transport nach Magdala und auf der Reise von da »ach Zula an. Bis Kairo begleitete er helfend und dienend die Familie Flad. Dort blieb er zurück und erhielt daselbst durch die gütige Vermittelung des Herrn Inspektor Rappard einen Dienst. Schon während der Gefangenschaft, namentlich aber in Kairo, der „versnchungsvollen Stadt", suchten die Welt und das eigene Fleisch und Blut den Jüngling in allerlei Sünden und Laster hineiuzuziehen. Er blieb in brieflichem Verkehr mit Flad, dem er oft seine Herzensnoth klagte. Einmal schrieb er: „Bitte, helfen Sie mir, daß ich in eine Schule komme, um mich weiter auszubildcn, sonst gehe ich in diesem Sodom an Leib und Seele zu Grunde." Der HErr gab die Mittel, daß er mit seinem Herzensfreunde Samani auf die Crischona bei Basel zur Vorbereitung für den Missionsberuf gebracht werden konnte. Neben dem Unterricht in den Wissenschaften erhielt er solchen in der Schneiderei, und das alles bei guter Gesundheit; er ertrug das deutsche Klima unter allen Abessiniern am besten. Im Lernen war er oft zur Betrübniß seiner Lehrer etwas träge. Das Vielerlei, wie er sagte, war ihm zuwider. Was er jedoch erfaßte, das erfaßte er gründlich. Die Versuchung zum Hochmuth stellte sich auch ein, und hier und da war es nöthig, daß man ihn ein wenig beugte. Er nahm es aber auch an. Besonders empfindlich wurde er, wenn etwas Ungünstiges über seine Landsleute gesagt wurde; denn er war ein abessinischer Patriot. 1873 kehrte er mit Flad in seine Heimath zurück und diente während der langen Reise zusammen mit Aragawi unverdrossen als Koch. Es war für Flad die lieblichste und angenehmste von allen den sieben Reisen, die er in Gemeinschaft mit den vier jungen Abessiniern gemacht hat. In Abessinien wieder angelangt gründete Agasche dann mit Samani die Station Asseso und arbeitete an dessen Seite mit Treue und Hingebung in der Schule, in den Gottesdiensten nnd auf Missionsreisen. Unvergeßlich ist Flad seine erste Predigt unter den Abessiniern nach seiner Rückkunft aus Europa über Röm. 1, 16 geblieben.

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