Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 5-6 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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68 selben sind Falaschakinder. Sie werden unterrichtet im Lesen und Schreiben, Bibl. Geschichte, Geographie, Geschichte und Rechnen. Auswendig lernen sie die Psalmen und eine Auswahl von Sprüchen aus dem Alten und Neuen Testament. Die bisher heidnischen Kamanten, welche vor etlichen Jahren in Folge eines königlichen Gebotes getauft wurden, bringen ihre Kinder in unsere Schule, damit wir sie in der christlichen Religion unterrichten. Auch einige Selan (Nomaden) bringen unö ihre Kinder. Unser Schulhaus (d. h. die Abessin. Hütte) ist voll von Schülern, so daß ein größeres Haus ein Bcdürfniß geworden ist. Sechs von den Schülern habe ich zu kleiden und zu verköstigen, die übrigen haben ihre Eltern und Anverwandten und sind nur während, der Schulzeit bei uns. An den Sonntagen halte ich regelmäßig mit meinen Schülern einen Kindergottesdienst, welcher aber auch von vielen erwachsenen Abessiniern und unfern Proselyten gern besucht wird. Eine große Freude bereite ich Jung und Alt, wenn ich nach dem Gottesdienste die uns von Frau Pfr. Hoffet in Jllzach i./E. und ihrer Sonntagsschule geschenkten Bibelbilderbücher zeige und noch eine oder mehrere biblische Geschichten erzähle. Im Namen meiner Kinder sage ich der theuren Geberin „Gott Vergelts!" Es ist mir schon öfters gesagt worden, daß unsere Gottesdienste von dem HErrn an den Seelen gesegnet worden sind. Ich muß aber freilich klagen, daß wenig geistiges Leben sichtbar ist. Die Herzen und Gedanken sind voll von den irdischen Sorgen. Was sollen wir essen? Womit sollen wir uns kleiden? sind die allgemeinen Fragen. Wir haben gerade jetzt Theuerung. Das Land wurde von der großen Armee des Königs wie von Heuschreckenschwärmen heimgesucht. Ein Theil meiner Schüler kommt nackt, andere sehr dürftig gekleidet zur Schule. Die Eltern haben nicht so viel, daß sie ihre Kinder kleiden können. . Jeden Nachmittag in der Freistunde gehen die Knaben in den nahen Wald, Holz zu suchen, von dem sie Morgens, wo es immer kalt ist, vor Beginn des Unterrichts ein Feuer anzünden, um das sie sich im Kreise herumkauern und wärmen. Bibel- und Traktat-Verbreitung. Mit der Verbreitung der Bücher geht es langsam vorwärts.