Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 3-4 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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65 in ein ruhiges Gespräch hineinzuziehn. Da mit einem Male hören wir eine zornige Stimme zu uns herüberschallen. Der Name eines der mit uns sprechenden Juden, es war der Mische Polizeidiener, wird wiederholt heftig ausgerufen; der Mann wendet sich und sieht seinen jüdischen Bürgermeister auf der andern Seite der Straße stehn. Dort eilt er hin und muß nun ein gewaltiges Wetter über sich ergehen lassen, vor dem er sich ganz verängstigt flüchtet. Ich gehe dem Eiferer entgegen, um mit ihm ein vernünftiges Wort zu sprechen; das aber war nicht möglich, und so blieb, wenn Straßenlärm vermieden werden sollte, nichts übrig, als nach dem Gasthause zu gehn, wohin wir von einem Schwarm 'jüdischer Knaben begleitet, die nun auch vor dem Hause fortan förmlich Wacht hielten, unsere Schritte wandten. Der jüdische Herr Bürgermeister war aber mit diesem Erfolge nicht zufrieden, sondern versuchte auch die Statthalterei, zu der er sich spornstreichs begab, gegen uns aufzubieten. Das mißlang jedoch, und er mußte sich daran genügen lassen, daß er uns alle Thüren zu den Juden der Stadt verschlossen hatte. Wir brachen denn auch in wenigen Stunden auf, zum Aerger freilich für den obengenannten jüdischen Herrn, der immer noch gehofft hatte, unsere Verhaftung zu erleben. Das war der letzte Eindruck, den wir auf dieser Reise empfangen haben, und erinnert uns lebhaft daran, daß die Zeugen des HErrn unter Israel heute noch immer, wie es in den Berichten der Apostel, die uns die Apostelgeschichte hinterlassen hat, der Fall ist, zuletzt vor der Thatsache der Verstockung der großen Menge Israels stehen. Die Apostelgeschichte endet mit dieser Thatsache, und ihre kleinen Nachfolger im Amte der Predigt des Evangeliums machen auch heute noch die Erfahrung jener großen Zeugen Christi unter Israel. Aber freilich, darum wissen wir es auch: 23. Christus ist der Letzte auch unter Israel. Je länger man unter das heutige Israel tritt, desto gewaltiger wird man an das Wort des HErrn erinnert: „Wer nicht hat, dem wird auch genommen, was er hat!" Etwas innerlich Zerfahreneres und Haltloseres, als es das Judenthum ist, welches aus seiner Abgeschlossenheit in die übrige Welt eingetreten ist, kennt die ganze Erde nicht. Hier ist nichts mehr gewiß, nichts mehr sicher, als allein der Glaube au die eigene Vortrefflichkeit, welche in der That das einzige, allgemein angenommene und wirklich verbindende Dogma des Israel, das sich an dem modernen