Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 3-4 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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63 alle Mensche» angehende Gesetz Gottes: Du sollst Gott über alles lieben und den Nächsten wie dich selbst." „Und auch uns", fügte Flad hinzu, „gehn die 10 Gebote an." „Wie könnte ich aber", fuhr ich nun fort, „wohl behaupten, das Gebot: Laß dich nicht gelüsten! gehalten zu haben? Ich inöchte mich nicht selbst betrügen; darum muß ich aber bekennen: Die Gebote von der Liebe und vom Gelüsten verurtheilen mich täglich. Doch ich denke, auch Sic, meine Herren, wollen aufrichtige Leute sein, und eben daruin werden Sie sicherlich dasselbe von sich bekennen, was ich von mir einzngestehn genökhigt war." Diese Anrufung ihrer Ehrlichkeit hatte Erfolg, und etliche der Anwesenden erklärten: „Ja, wenn man das Verbot des Begehrens recht bedenkt, dann ist man freilich kein Gerechter!" „Wenn aber die Sache so mit unö steht, bezeugte ich weiter, dann gilt ja auch für uns das drohende Wort: verflucht. .Ich bin verflucht, Sie sind es; ich kan» mich von dem Fluche Gottes nicht frei machen, Sie können es nicht. Ist das nicht ein entsetzlicher Zustand?" „Und doch, Gott sei gedankt, in der nämlichen Bibel, welche jenes Gericht über uns ausspricht, kenne ich noch ein anderes Wort ans dem Munde desselben Gottes, das Wort Jesaia 53, 11 von dem gerechten Knecht, den er senden wolle, um die Ungerechten gerecht zu machen. Und seine Verheißungen hat Gott gehalten. Sehen Sie, er hat seinen einigen Sohn gesandt, und derselbe hat uns mitten in unserem Gericht die Gerechtigkeit gebracht, die uns vor Gott decken kann. Das ist die Botschaft, welche jetzt durch die ganze Welt geht, und die uns mit solcher Freude erfüllt hat, daß wir es nun nicht lassen können, denen sic zu bringen, welche sie noch nicht wissen. Dieser mein Freund (ich wies auf Flad) ist mit und um derselben willen zu Ihren Brüdern in Abessinien gegangen, und meine Vorfahren haben ihrethalben die französische Heimath verlassen. Wir aber treten jetzt mit dieser Botschaft vor Sie hin und bitten: Ergreifen Sie.die Hand des Gerechten, den Gott auch Ihnen gesandt hat, die Hand Jesu Christi, und treten Sie in Ihm mit uns dann vor den heiligen Gott als gerechte, selige Leute hin!" Die Juden waren stumm, endlich ermannte sich der Rabbi und frug: „Sind Sie Antisemiten?" „Keineswegs," antwortete