Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 3-4 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Aber jener Mensch war voll Wuth und schrie fortwährend: „Es ist eine Schande, es ist eine Schande!", so daß Freund Flad mich hinwegzog, um Auflaus zu vermeiden. Draußen jedoch tobte der junge Mann immer weiter, der Stachel des Evangeliums ließ ihm keine Ruhe. 3. An mir ist alles verloren. Auf dem Markte redete uns ein Jude an, er habe im Kaffeehause hinter uns gesessen, aber nicht recht verstanden, was wir denn eigentlich gesagt hätten, darum möchte er das jetzt gern erfahren. „Es war eine alte Sache," entgegnete ich, „nämlich die Frage, wie man zur Wahrheit kommt?" Wir wüßten über dieselbe nun allerdings nichts Neues zu sagen, aber wir hätten mit dem Apostel Paulus alle Ursach zu bekennen: „Daß ich euch immer dasselbe sage, verdrießt mich nicht und macht euch desto gewisser!" Ja, aber eine Gewißheit giebt es doch überhaupt nicht, erklärte G>, sondern die Weisesten hätten vielmehr stets gerade das Bewußtsein gehabt, daß sie nichts wüßten. Für weltliche Dinge wurde dies nun dem Redner zugestanden, aber ebenso betont, daß wir mit Hiob zu sprechen vermöchten: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!" „Auch eine bloße Meinung!" rief uns da unser Jude zu; aber es wurde ihm erklärt, daß bei uns und in unfern Falle von einer bloßen Meinung keine Rede sei. „Ein Reicher, welcher den Beutel voll Geld hat, läßt es sich von einem Andern, der nichts sein eigen nennt, nicht ausreden, daß er viel besitzt. Wir aber wissen gewiß, daß Christus uns erlöst und uns ewiges Leben erworben hat. Mein Freund, der hier steht, hat im Angesichte des Todes, mit dem ihn der tyrannische König von Abessinien bedrohte, und ich selbst habe es an der Pforte des Todes, der ich in schwerer Krankheit nahe stand, lebendig und selig erfahren, daß wir sprechen können: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt"; Niemand vermag uns das abzustreiten, was unsere innerste Gewißheit ist." Wehmüthig bekannte darauf unser Jude: „Das ist eben mein Unglück, daß ich nichts glauben kann; ich leide selbst darunter entsetzlich, aber ich vermag trotzdem zu keinem Glauben zu gelangen." „Nun," entgegnete ich dem Manne, „dann sollen Sie es jetzt vernehmen, daß Christus gerade für die Unglücklichen gekommen ist, und daß er auch Sie unter dcncn meint, denen er