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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 1-2 (1882) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
1-2 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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30 wesen, Heuchler gebe es unter den Orthodoxen aller Religionen, uns habe er für solche nicht gehalten. Ich reichte ihm die Hand, und als Freund Flad nun wieder Schriften verthciltc, wollte der ziemliche Vorrath doch nicht anöreichen. Einer der Gebildetsten unter den Anwesenden aber rief uns noch nach: „Nehmen Sie meine größte Hochachtung mit!" 21. Nicht ferne vom Reiche Gottes. Eine liebliche Erfahrung! Im Kaffechanse saß ein Jude, der in dem zuletzt von uns besuchten Orte, wo jener sonst wohnt, die eben erwähnten Gespräche, wie er uns niitthciltc, angehörl hatte. Auch er hatte von Br. Flad Schriften cinpfangcn und erzählte, wie er mit vielen ander» Juden sogleich nach nnserm Fortgehen sich hingesetzt habe, diese Schriften zu lese». Besonders: „Wer ist ei» Jude?" und „Wer ist ein Apostat?" hatten auf ihn einen tieferen Eindruck gemacht. Flads Anffordernug folgend kam er zu uns ans das Zimmer, und hier erhielt er von demselben außer andern Schriften ein Neues Testament. Die Unterhaltung mit diesem Juden war eine recht befriedigende. Er beklagte das Geistlose im Gottesdienste der Synagoge, und besonders habe ihn dies am Versöhntage gedrückt; das 58. Kap. Jcsaia, über das elende Fasten, welches ihn: Flad vorlas, fand daher seine volle Zustimmung. Daran aber knüpfte sich ein Gespräch über das wahre, innere Wesen der Religion, über die Wahrheit, welche den Menschen frei macht, und über das Leben, welches die rechte Religion erzeugen soll, das aber thatsächlich nur die christliche Religion bietet. Hier freilich wird das Sehnen des Mcnschcnhcrzens nach Ewigkeit gestillt, und hier ist auch der Tod überwunden. Alle andern Religionen habe» im beste» Falle nur Ahnungen, Wünsche oder Weissagungen eines solchen Lebens. Das Christcnthnm hingegen besitzt und bietet es in Christo als ein wirklich vorhandenes Gut dar. Christus hat unser Menschenleben aus dem Grabe heraus zu jener Herrlichkeit hiuangcfnhrt, die Gott selbst besitzt, und seitdem tritt er aller Welt mit der Botschaft entgegen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, der wird nimmcrinehr sterben, ob er gleich stürbe!" Eine Religion aber, die im Angesichte des Todes solchen Trost gewährt, bietet dein Menschen das höchste, was er auch selbst nur wünsche» kann.

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