Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 3-4 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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53 Es sollen seit vielen Jahren nicht mehr so viele Pilger in Mekka gewesen sein. Nach dem, was mir mein Gewährsmann erzählte, müssen über 200,000 Pilger in Mekka und Medina gewesen sein n»d noch sein; denn weitaus der größere Theil ist noch zurück in Medina, namentlich die aus Indien, Java, Japan, Singapore und Egypten. Djedda wimmelt von Pilgern. Ich selbst ging nicht in die Stadt, die französischen Mitreisenden sagten mir, es sei in den Straßen fast nicht zum Durchkommen. Und was für Volk! Soll man von ihren Gesichtern auf's Innere schließen, so kommt man auf einen so traurigen Schluß, daß man ihn nicht wagt, auf's Papier zu bringen. Und das Innere eines Menschen drückt sich doch immer mehr oder weniger auf dem Gesicht aus. Von Schiff aus hören wir, wie die Nächte in der Stadt mit einem Heidenlärm von Musik n. A. zngebracht werden, wobei natürlich das Fleisch sein volles Futter findet. Ach, wieviel kostet es noch nnd wie lange Zeit wird es noch brauchen, bis die heutige Losung in Erfüllung geht: „Alle Lande müssen seiner Ehre voll werden!" Wann wird des Halbmonds bleiches Licht weichen müssen dem freundlichen Licht der Sonne der Gerechtigkeit, welches ist unser hochgelobtcr Heiland Jesus Christ! Bon diesen Millionen nicht gekannt, sondern gehaßt! Ach, daß sich Gott erbarmen wollte! Ich mußte mir aber diesen Morgen während der Unterredung mit dem Ärnauten sagen: Wie viel läßt sich's doch der Muhammedaner Zeit und Geld kosten, den Vorschriften seines Propheten nachzukommcn! Wie beschämt stehen viele Christen diesen gegenüber! Mein Aruante sagt, jeder vermögende Muhammedaner sei im Koran verpflichtet, in seinem Leben einmal, die Reichen mehrere Male, die Pilgerreise nach Mekka zu machen; nicht um dadurch in's Paradies zu kommen, sondern um sein Geld unter die armen Bewohner von Hedschas (Medina, Mekka, Djedda rc.) kommen zu lassen. Die Reise von Djedda bis Mekka und Medina und zurück habe ihm 90 Maria-Theresien-Thaler — 360 Mark gekostet. Es giebt Pilger, welchen die Gesammtreise 600 Mark, 1000 Mark, 2000 Mark, 4000 Mark kostet. Es giebt Muhammedaner, die ihr Lebcnlang Knechte fein müssen; diese sparen sich, jährlich soviel und legen es beiseite, bis es ihnen endlich, vielleicht in 40 oder 50 Jahren, reicht, die Reise nach Medina zu machen. Wenn ich ganz niedrig greife und sage.