Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1881-01-01 · 1-2 (1881) · page 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
1-2 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554868-2554870--07550-2563564
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

31 Proselyten zu sorglos sind und dafür halten, daß, wenn der Jude nur getauft sei, er keines weiteren Unterrichts bedürfe. Vor einigen Tagen sind etliche Juden aus der Stadt bei mir gewesen. Diese haben mich gefragt: ob wir Christen Wunder thun können? wenn das der Fall wäre, so wollten sie glauben. Ich aber habe ihnen geantwortet: Wunder sind nicht nöthig, nachdem bereits so viele Zeugen vorhanden sind. Wenn Gott nach eurem verkehrten Willen handeln sollte, so müßte er bei einem jeden Menschen neue Wunder thun. Lest erst die im Neuen Testament verzeichncten Wunder und betrachtet sie, so werdet ihr ganz anders urtheilen." Wir sehen also, Clausberg ist zu seiner Zeit aus Verstandesüberzeugung Christ geworden, und es ist ihm stets sicher gewesen, daß Jesus der verheißene Messias sei. Aber hieran hat er sich recht lange genügen lassen, und sein ganzes inneres Leben, sein Denken und Dichten zeigten Jahre hindurch nicht viel von der Alles erneuernden Kraft des Christenthums. Zuerst werden ihn der Gedanke an das äußere Fortkommen, hernach aber die Gunst der äußeren Verhältnisse und seine einflußreiche Stellung, die ihm gewordene Anerkennung und Ehre, in ihre Unruhe hineiugezogen haben. Aber weil er es aufrichtig mit seinem Messias gemeint hatte, und weil er sich zumal, als mit dem Tode Christian VI. 1746 ruhigere Zeiten für ihn eintraten, innerlich in die Stille rufen ließ, war sein Letztes auch ein Leben durch Christum in Gott. Der Messias wurde ihm jetzt zum Süuderheiland, und nun wußte er, was das heißt, als ein Christ leben. Selig zu werden war fortan seine größte Sorge geworden, und er ließ es sich angelegen sein, zu dieser Seligkeit auch seine Brüder nach dem Fleische zu rufen. Weil er es aber an sich selbst erfahren hatte, daß der Glaube nicht vor Allem in allerlei Verstandesdingen bestehn darf, darum wußte er zuletzt auch mit den Juden über Christenthum so zu reden, wie es das oben angeführte Beispiel zeigt. Er ging auf ihr Verlangen, mit ihm zu disputiren, nicht ein, er hielt ihnen nicht allerlei Beweise, daß Jesus der Messias sei, entgegen, sondern er drang in ihre Herzen und Gewissen ein. Das Chriftenthum war ihm allmählig eine Herzens- und Gewissenssache geworden, und als solche führte er sie auch den Juden gegenüber in's Feld. Damit ist er eine Mahnung an alle Juden und eine Mahnung an viele Proselyten; damit jedoch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.