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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 11-12 (1880) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
11-12 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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168 1 «Lngland. Dieses Land, das nach ihrer Verbannung zuerst wieder aus Spanien und Portugal Juden bei sich einkehren sah, hat seitdem immer neue Zuzüge derselben aus Deutschland, Rußland und dem ganzen Osten erhalten. Die meisten leben in London; doch auch Manchester, Leeds, Liverpool, Birmingham und andere große Städte zählen allmählig eine wachsende jüdische Bevölkerung. Ein kleinerer Theil derselben ist äußerst wohlhabend, die große Masse aber ungemein arm. Hebräische und rabbinische Studien treiben fast nur die eingewanderten Juden, während die länger angesessenen dieselben vergessen. Zu den Reformern im eigentlichen Sinne gehören überwiegend die Britischen Juden, die Nachkommen der zuerst seit Cromwell eingewanderten, die eine eigene, wenn auch nur eine kleine Gemeinschaft bilden. Dieselben sind fast durchgehcnds gebildete und reiche Leute. Nach dem Talmud richten sie sich gar nicht, sondern nach den Ideen der modernen Zeit und lassen eben deshalb nichts als fest oder sicher gelten. Viel zahlreicher sind die sogenannten Konservativen oder Orthodoxen, die sehr viele intelligente Mitglieder zählen. Sie bestehen aus Juden, die nicht spanischen oder portugiesischen Ursprungs sind; aber freilich ihre Orthodoxien beruhen fast nur in dem Namen und der Gewohnheit oder Erziehung, und diese, nicht aber ihre Glaubensüberzeugungen halten sie bei ihrer Partei; im Wesentlichen sind sie von den Reformern nicht verschieden. Eine dritte Klasse nennt sich „Rationalisten oder Freidenker", eine zahlreiche Schaar aus allen Gesellschaftsschichten, die aber nicht besondere Gemeinden bilden. Kultur, Vernunft, Humanität sind ihre Stichworte; sie setzen sich hauptsächlich aus Eingewanderten zusammen, die in ihrer Heimath vielleicht streng, ja selbst fanatisch orthodox waren, in der Fremde aber allen Glauben verloren haben. Ihre Toleranz hindert sie jedoch nicht, gegen das Christenthum äußerst gehässig zu sein, während ihre Religion hauptsächlich in eifrigem Festhalten an ihrem Stamme besteht. Unter diesen Juden nun entfaltet die Londoner Mission eine reiche Thätigkeit, und bemerkt sei, daß sie im vergangenen Jahre direkt 31 derselben der christlichen Kirche zugeführt hat. Missions-Gottesdienste, die in der Missionskapelle zu London regelmäßig, des Oefteren aber auch in Kathedral- und Parochial- Kirchen großer Städte, wie in Manchester, Edinburgh, Bradford,

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