Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 7-8 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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131 sein, daß die Juden vom Evangelio Christi aufgegeben seien und eine Macht in sich selbst besäßen, welche dasselbe nicht überwinden könne. Wie sehr vielmehr gerade unsere Zeit den Beweis, daß Christus auch der Herr Israels ist, führt, daran erinnerte einer der Redner bei diesem Jahrcsfeste durch den Hinweis auf die Thatsache, daß heute zwischen 200—300 bekehrte Inden die Botschaft von Christo als Geistliche oder Missionare unter Christen, Juden und Heiden verkündigen. Felir Cohen, ein falscher Messias. Schon öfters ist in unserer Zeitschrift von den falschen Messiasen der Juden die Rede gewesen, aber eines solchen aus dem Anfänge des 18. Jahrhunderts haben wir noch nicht Erwähnung gethan. In den „Coburg'schcn Zeituugsextrakten" vom Jahre 1723 nun finden wir den Bericht über eine derartige Persönlichkeit aus jener Zeit. Dort wird mitgetheilt, daß im Jahre 1721 in Ferrara ein Messias der Juden aufgestanden sei. Ein in Italien berühmter Rabbi Abraham habe nämlich prophezeit, daß im Jahre 3333 nach der Geburt des Patriarchen Abraham der Messias kommen solle. Das genannte Jahr war aber nach jüdischer Rechnung das Jahr 1721. Die Juden in Ferrara nun glaubten fest an die Richtigkeit der Prophezeiung jenes Rabbi und bereiteten sich also auf den Empfang desselben vor. Nachdem sie eine Zeitlang auf seine Erscheinung gewartet und besonders allerlei Anstalten für eine mit aller Pracht zu geschehende Salbung desselben getroffen hatten, glaubten sie in einem Kinde denselben entdeckt zu haben. Der Bericht sagt, „daß sie mit demselben allerlei Bosheiten vorgenomrnen hätten", daß sie aber schließlich den Knaben hätten fallen lassen. Die erste Täuschung schreckte sie jedoch nicht ab, und sie glaubten danach, in einem gewissen Felix Cohen den Messias erlangt zu haben. In Folge dessen salbten und krönten sie diesen als König Messias und behandelten ihn auch als solchen. Aber die Freude währte nur sehr kurze Zeit; denn der neue Messias wurde von der Obrigkeit sehr schnell festgenommen, in Eisen geschmiedet und so nach Rom gebracht — damit hatte sein Reich denn auch ein Ende.