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Dibre Emeth · 1879-01-01 · 11-12 (1879) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
11-12 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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168 mit der früheren Schärfe. Mehr als einmal äußerten Juden gegen den Missionar: „Wenn Sie cs vor einigen Jahren gewagt hätten, so im jüdischen Nicrtel mit uns zu sprechen, wie Sie cs heute thun, so würden Sie auf der Stelle getödtet worden sein!" In der That, die religiösen Gedanken und Anschauungen in allen Schichten der Juden Hollands befinden sich in einer völligen Umwälzung. Aber während sic den Talmud verlassen, tauschen sic für denselben nicht die Bibel ein; neun Zehnteln derselben vielleicht sind die Propheten völlig unbekannt; ja viele wissen nicht einmal den geschichtlichen Anlaß ihrer Feste. Dabei träumen sie aber von einer messianischcn Zeit, wo aus dem christlichen Bekcnntniß der Glaube an die Dreieinigkeit gestrichen sein wird, und alsdann alle Brüder sind. Die Mehrzahl der Christen, sagte ein jüdischer Lehrer zum Missionar, steht ja bereits auf unserer Seite und hat den Glauben an die Gottheit Christi aufgegeben. Aber auch hier die Thatsache, daß man nicht umhin kann, die Schriften der Missionare und das Neue Testament zu lesen; öfter denn je ist sogar Miss. Bloch von Juden, die mit ihm über religiöse Gegenstände sprechen wollten, in seiner Wohnung ausgesucht worden. Bei seinen eigenen Besuchen traf Miss. Bloch eine jüdische Frau und ihre Tochter mit A. und N. T. wohlbekannt; und als der Missionar sie nun nach ihren Ucberzeugungen fragte, antwortete ihm die Jüdin: „Ach, wir sind in einer schrecklichen Lage!" Die Tochter aber fügte hinzu: „Von Außen sind wir Juden, im Herzen Christen; aber Sie kennen die Leiden, welche meine Schwester zu erdulden hatte, als sie sich zu Christo bekannte; das läßt meine alte Mutter vor dein znrückschrecken, waö sie doch als ihre Pflicht empfindet; denn sie fürchtet sich, ähnlichen Verfolgungen durch die Juden zu begegnen". Miss. Adler forderte die Juden zu öffentlicher Besprechung der religiösen Fragen auf; zweimal fanden auch solche statt, die eine in Amsterdam, die andere in einer Provinzialstadt. Erster» dauerte einige Stunden lang uuter angespannter Aufmerksamkeit der anwesenden Inden. Der Wortführer desselben aber sah zuletzt - keinen andern Weg des Entrinnens, als daß er die göttliche Eingebung der Propheten leugnete, denen er gradeswegs Schuld gab, eine übertreibende und überspannte Sprache in der Beschreibung des Messias gebraucht zu haben.

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