Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 11-12 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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welcher ihn erkannte, frug ihn barsch nach seinem Begehren. Ohne zu zaudern oder sich zu rechtfertigen, nannte derselbe sogleich den Zweck seines Besuches. Der Mann sah ihn zweifelhaft au, daun aber bat er ihn, in sein Kointoir cinzutreten. Nachdem sich Beide dort niedergelassen hatten, reichte der Ladenbcsitzcr dem Missionar seine Rechte und sagte: „Herr R., ich freue mich, Ihnen die Hand zu drücken. Vor einem Jahre hätte ich das nicht gcthan, ja, ich darf wohl sagen, daß, wenn Sie sich damals bei mir eingedrängt hätten, ich wahrscheinlich, ohne die Folgen zu beachten. Sie mit einer Pferdepeitsche hcrausgcjagt hätte. Aber ich hege nicht länger gegen Männer Ihres heiligen Berufes eine Abneigung. Ich war jüngst in London und während meines dortigen Aufenthaltes wohnte ich zweimal dem hebräischen Gottesdienste in Palestine Place bei. Was ich aber dort sah und hörte, zerstreute meine Vorurtheile gegen die christliche Religion, und ich bin nun ganz bereit, anzuhören, was Sie mir zu Gunsten derselben sagen wollen." Nach einer 'langen interessanten Unterredung schieden der Missionar und der Ladenbesitzer von einander wie alte und anhängliche Freunde. Zahlreiche Juden, welche in der Hoffnung, Zeugen einer aufgeregten Scene werden zu dürfen, draußen gewartet hatten, waren über das ihnen ganz unbegreifliche Bcnchmcn des reichsten und orthodoxesten Gliedes ihrer Gemeinde ganz erstaunt, und dessen Beispiel nun nachahmeud, empfing ein Jeder den Missionar in seinem Hause auf's Herzlichste. In der That, den Missionaren fehlt es auch nicht an Ermuthiguugeu, und besonders aus den mittleren und unteren Klassen kommt auch so mancher Jude noch zur Erkenntniß der Wahrheit. Nicht selten waren zumal die Fülle in London, wo Geschäftsleute, und oft aus weiter Entfernung, am späten Abend den Missionar in seiner Wohnung aufsuchten, um dann bis in die späte Nacht hinein bei ihm zu bleiben. Leicht aber wurde es vielen derer, die'sich bekehrten, nicht gemacht, und ein Verständniß für ihren Schritt fanden sic bei den Ihrigen kaum je. Eine achtungswerthe Jüdin frug den Missionar, der ihren Sohn getauft hatte, alles Ernstes, wieviel Geld derselbe für die Taufe empfangen habe, und war nur sehr schwer zu der Ueberzeugung zu bringen, daß allein der durch das Lesen des Neuen